29.11.2009

Am Stall gewesen, fotographiert.

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"Squalor is ...
... having great balance
because you've learned
to dance over great heaps of stuff."
Squalor Survivors



Als sie die Tür ihres neuen Hauses mit einem Brecheisen aufstemmen, denn ein Schlüssel wurde nach der Versteigerung nicht ausgehändigt, beisst ihnen ein stechender Geruch aus Urin, Schimmel und Verwesung in die Nase. Der erste Anblick lässt sie direkt zurück schrecken. Wer hier wohnte, ist an seinem eigenen Dreck erstickt. Müllberge und überall Katzen. Unmengen von leeren Flaschen, Stapel von Pizzakartons und schimmelndes Geschirr umgarnen die fleckigen Sitzmöbel. Um den Fernseher stapeln sich PET-Flaschen, im Flur aufgeplatzte Müllsäcke und aus einer Kammer unter der Treppe quellen leere Katzenfutterdosen. Die Tür zur Küche klemmt, durch den schmalen Türspalt können sie weiteres Chaos erkennen. Eine tote Ratte in der Spüle, die Kakerlaken fliehen auf den kotverschmierten Fliesen in die Ritzen unter den Küchenschrank. Aus dem Badezimmer riecht es besonders streng. Die Wanne ist halb gefüllt mit braunem Dreckwasser, Kot überall an den Kacheln und auf dem Klodeckel. In einem Hinterzimmer voller Kleiderberge und verdrecktem Spielzeug sind Kinderzeichnungen an der Wänden. Eine harte Schicht aus Kot und Pisse bedeckt die Auslegeware, hinter den Wänden raschelt und fiepst es. Rattennester.

Das haben sich Susan und Alonzo von ihrem neuen Haus nicht träumen lassen. Alonzo fährt einen schwarzen Hummer, seine Eltern sind Einwanderer aus Lateinamerika, er ist erfolgreicher Selfmade-Unternehmer. Dies ist sein 30stes Haus. Er ersteigert günstig Häuser, investiert in die Sanierung und verkauft die Immobilen zum höheren Marktpreis. In den USA nennt man das "Houselifting". Damit haben seine Frau und er sich in den letzten Jahren ein kleines Stück Unabhängigkeit erarbeitet. Eine derartige Verwahrlosung wie in dem Katzenhaus haben sie jedoch noch nie erlebt. Alonzo nimmt es gelassen. Ein bisschen Farbe an die schimmeligen Wände würden die Sache gleich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Den Müll will er von ein paar Freunden in Schutzanzügen und Atemmasken beseitigen lassen. Die Freunde halten es nicht lange aus. Würgreiz auch bei mir, als Alonzo in dem beissenden Gestank einen Burrito verspeist. Auch die herbei georderten Müllmänner, Handwerker und Schädlingsbekämpfer schrecken zuerst zurück. Nach kurzem Überlegen nennen sie ihren Preis, um das Desaster zu beseitigen. Alonzo feilscht um jeden Dollar. Sein Budget für die Instandsetzung des Hauses ist schon überzogen, bevor sich rausstellt, dass die schimmeligen Rigipswände gesamt erneuert werden müssen, und dass die Bekämpfung der Kakerlaken und Ratten teurer wird, als gedacht. Im Haus befindet sich ein eigenes kleines Ökosystem. Die Katzen fressen die Ratten. Die Ratten fressen die Kakerlaken. Die Kakerlaken ernähren sich vom Kot. Die Nachricht eines Handwerkers, dass sich fünf Risse im Abwasserrohr unterm Haus befinden, geben Alonzo den finanziellen und psychischen Rest. Susan schickt Alonzo zu einer Psychologin. Klar dass ein gestandener Kerl wie er in Tränen ausbricht, wenn er gefragt wird, wie es ihm eigentlich geht.

Vielen Dank, liebes digitales Pay-TV, für diese wunderbare Mischung aus Messy-Reportage, Renovierungsshow und Psychoscheiss eines Kleinpatriarchen! Das geht einem so schnell nicht aus dem Kopf. Dafür zahlt man doch wirklich gerne ein bisschen mehr Kabelgebühren im Monat.

Und hier noch ein kurzes, ekeliges Katzenvideo für Euch, bevor es an den Hausputz geht.
 




27.11.2009

Kabel Deutschland, bitte hör auf mir ungefragt Probezeitschirften und monatlich Werbebriefe für Dein Internet zu schicken. Bitte ruf mich auch nicht mehr an, wenn ich zu Abendbrot esse oder versuche mich tagsüber auf einen Text zu konzentrieren und frage nie wieder, warum ich ein Probe-Abo eines Dienstes kündige, das Du Deinen Kunden ungefragt aufdrängst und das ich ursprünglich nie haben wollte. Und frage mich bitte auch nicht heuchlerisch auf Kundenbindung machend, was Du besser machen kannst, damit ich deinen Zusatzdienst abonnieren würde. Erstens falle ich auf Dein falsches Lächeln nicht rein, zweitens mach doch bitte erstmal die digitalen Pixelstörungen da aus dem Fernsehbild raus. Und außerdem möchte ich eigentlich keine Programme empfangen, auf denen nur das Beste der Reste vom vorvorletzten Essen wiederaufgewärmt werden. Ein Großteil des Fernsehprogramms ist eh schon schlecht und wird bei der sechzehnten Wiederholung auch nicht besser. Und bittebittebitte erkläre mir bitte auch nicht, was Video on Demand ist. Du hast kein Video on Demand in Deinem Produktangebot, Du hast höchstens Nearly Closed Circuit.

Mann, ey! Manchmal wird man sowas von zugespammt von denen und den Versicherungen und den Banken und den Telkos und all die anderen Call Center Spacken und denen die Betrüger. Ich vermisse Filterregeln sowie Adblocker fürs Leben so sehr.
 







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Nicht viel gewesen heute. Etwas Fleiß, letzte Sonnenstrahlen und blöde Fragen von eBay-Käufern.


 




25.11.2009

Der Schleier lichtet sich langsam. Als wenn es nicht sowieso schon genug zu tun gäbe, gibt es nun auch noch tatsächlich etwas zu tun. Aufbruchstimmung, Frühling im Herbst.
 




24.11.2009

Keine rechte Lust mehr, Filme zu sehen. Das Gefühl, alles schon gesehen zu haben. Und wenn Filme sehen, dann schon gar nicht mit dem nörgelnden Kritiker auf den Schultern und das Pflichtgefühl darüber dann auch schreiben zu müssen und sei es auch nur hier in meinem Filmetagebuch. Ich bin froh, dass es nicht nur mir so geht, sondern gerade lesen darf, dass die Sache ganz ähnlich im Hause Gröner gelagert ist. Sie liest stattdessen Comics. Ich habe mich heute trotzdem wieder zur Berlinale akkreditiert. Muss ja.

Für alle, die sich an Filmen noch nicht satt gesehen haben, empfehle ich (via Ines) folgende Liste mit Filmen, die man legal und gratis aus dem Internet herunterladen oder als Stream anschauen kann: Free Movies Online: Great Classics, Indies, Film Noir, Documentaries & More | Open Culture
 






Freunde von Freunden - Ein Interviewmagazin, das kreativ Schaffende in ihren Arbeits- und Lebensräumen dokumentiert. Solche Projekte, die in die Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und überhaupt in die vier Ecken der Privatsphäre von Leuten kucken mag ich alleine schon aus soziologischem Interesse sehr gern.
 




"What do you like to do?" - "Your mom."
http://www.cleverbot.com
 




23.11.2009
(FU Berlin, Silberlaube, Straße L)

Dort wo einst die Cafeteria war sind jetzt Seminarräume. Die Cafeteria ist nicht mehr. Geblieben sind ein paar wenige Tische und Stühle im Eingangsbereich der Mensa. Durchgangsstation. Schokocroissant und Kaffee auf die Schnelle. "Für'n normalen Kaffee nehm' Sie nicht die großen Pappbecher", werde ich von der Mensakraft angeherrscht. Die seien nur für Café Creme und für heisse Schokolade. Ich entgegnete, ich hätte Café Creme gedrückt, aber Creme wäre wohl alle in ihrem Kackautomaten. Der gewohnte berlinerische Schlagabtausch mit den Mensakräften ist geblieben. Neu ist in der Mensa, dass man 2,90 Euro nicht mehr bar bezahlen kann. Nur mit Geldkarte. Steht ja auch draußen dran am Eingang. Ging dann aber natürlich doch in bar.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl nach sechs Jahren mal wieder in die Uni zu kommen. Eigentlich hat sich nichts geändert, nur die Erinnerung ist verblasst, das Asbest saniert und die Gesichter der heruntergekommen Armutsakademiker, die ungeduldig auf das Mittagessen wartend schon um dreiviertel zwölf vor der Mensa ihre Kreise ziehen, sind trauriger geworden.

Rechnergestützter Multiple Choice Test. Nur so Mittel emphatisch, wenn ich fremde traurige Menschen sehe, aber sehr involviert, wenn jemand verletzt wird. Die depressiven Momente eines Gedankenarbeiters habe ich im Griff, genau wie meinen Alkoholkonsum und meine Internetsucht. Zahlen an sich find ich jetzt nicht sonderlich spannend, auch kann ich nicht behaupten, dass Datumsangaben mich reizen. 60 Minuten voller ausgeklügelter Fragen in prächtiger Redundanz, die eine kleine, erste Annäherung an meine Gefühlscluster versuchten. Eventuell folgen noch zwei weitere Termine. Heute war ich Proband für neurologische Emotionsforschung. Ich brauch das Geld. Hier kann man sich dafür anmelden.
 





(Bild vom Filmset: iRomance)

"Ich fang dann mal an", dachte ich mir vor einigen Tagen, "muss ja einer mal machen und es scheint da ja keine wirklich umfassende Liste zu geben über Filme die unter einer Creative Commons Lizenz stehen." (Häh? Was ist CC? Creative Commons?) In den letzten Tagen habe ich hier und dort mal gesucht und in Blogs zurückgelesen, aber ich habe den Eindruck, dass ich in den letzten Jahre die wenigen einigermaßen vorzeigbaren CC-Kurzfilme ohne viel Aufwand mitbekommen habe. Es ist sicher ein subjektiver Eindruck von mir, aber im Bereich Kurzfilm und CC-Lizenz hat sich nicht gerade eine lebhafte Szene mit tiefem Zusammenhalt entwickelt. Hier und da ein paar Vorzeigeprojekte für das Konzept des für Filmemacher immer noch neuartigen Lizenzmodells, der Rest der kurzformatigen Filme unter CC-Lizenz verwaist auf irgendwelchen Videoplattformen und schafft es nicht so recht in die Blogs und in eine relevante Empfehlungszirkulation. Ein Grund, warum das vermutlich so ist, könnte sein, dass Filmemacher erstens keine Webfreaks sind und zweitens denen das oft nicht primär wichtig ist, was mit dem Film passiert, wenn er fertig ist. Die machen ihren Kurzfilm auf dem Weg zur Profession und wenn der Film fertig ist, dann ist meist schon gut. Für eine Distributionsstrategie war während der Produktion keine Zeit. Naja, und wenn der Film fertig ist, so richtig auskennen und kümmern wollen sich junge Kreative dann nicht wirklich mit dem leider recht trockenen Thema Kurzfilmdistribution. Ich hab in den letzen Jahren hin und wieder mal offline Kurzfilme gesehen, die einen CC-Lizenz-Stempel hatten, aber dann nicht wirklich lautstark als CC-Film im Netz aufzufinden waren. Selten - so scheint es mir - haben Filmemacher, die sich für eine CC-Lizenz entschieden haben, nach ihrem Filmprojekt noch die Energie, das Selbstmarketing im Internet für ihr Projekt lange aufrecht zu erhalten. Nächster Film, neuer Job, mal dann auch damit Geld verdienen wollen, man kennt das ja ... Ich glaube, dadurch zeigt sich für viele, wie schwer es überhaupt ist, aus dem Nichts eine Community und daraus etwas Ruhm aufzubauen.

In den einschlägigen Quellen finde ich jedenfalls immer wieder folgende CC-Kurzfilme. Die bilden quasi den Klassiker-Kanon unter den CC-Kurzfilmen:
Big Buck Bunny // Elephants Dream // Cedric // iRomance // Trusted Computing

Frage ist also, wie bekomme ich als Filmemacher mit weniger Aufwand im Internet mehr Aufmerksamkeit für meinen CC-Kurzfilm, sodass der noch nach Jahren in aller Munde ist? Eine Antwort ist sicher die Machart der obigen fünf Filme: Computeranimation, Komödie, Technik- oder Cyberwelten, wenn nicht narrative Leichtigkeit oder Humor, dann sollte es zumindest ein netzpolitisches Thema sein. Da scheint der große gemeinsame Nenner im Geschmack der Netzkulturen zu liegen. Eine solide, schön gemachte Dokumentation über die Veränderung kroatischer Wochenmärkte durch die EU-Erweiterung kommt da einfach nicht so weit in der Empfehlungsökonomie des Web2.0 (Beispiel: PLAC (The Market) by Ana Husman).

Ach, bevor ich's vergesse. In diesem Zusammenhang möchte ich natürlich noch auf den No-Budget Open-Source Kurzfilm What a Witch hinweisen, der als Co-Filmmaking-Projekt aus einer Facebook-Gruppe hervorgegangen ist und im Oktober Premiere hatte. Tolle Sache!

Und was ist mit Langfilm? Da sieht's nicht anders aus. Sammlungen zu CC-Filmen haben offenbar immer einen unvollständigen Charakter. Aber kucken kostet ja bekanntlich nichts: Liste von Filmen mit CC Lizenzen.
 




22.11.2009

Junges Mädchen sitzt neben einem Mülleimer am Wasser und schreibt in ihr Moleskine. Rosa Strumpfhose, das Lila der Stiefel passt zur Tasche. Der Mantel korrespondiert mit dem Müllsack. In Gedanken fügte ich etwas Weichzeichner hinzu.
 




Zurück in die Zukunft Zurück in die Zukunft Filmdreh in der Eisflocke 20.11.2009

Es wurde mal wieder gedreht an unserer Ecke. Vom Aufwand vermutlich lediglich ein TV-Film. Ralph Herforth habe ich gesehen und einen Film-Golf mit futuristischen Holzvergaseranbau. Die Szene hatte ein etwas ökologisches, verarmtes Gutmensch-Setting. Zeit zu fragen, was für eine Produktion das ist, war nicht. Die Kinoproduktionen in der Vergangenheit und die Studentenfilmer sind wenigstens so freundlich gewesen, vorab Zettel auszuhängen. Beim TV ist das anders, da muss alles schnell, schnell gehen. Diese Filmleute sehen ja auch alle immer so wichtig beschäftigt aus. Ich tippe aber hier rauf:

Diesmal dreht sich die Spielhandlung um die Frage, wie lange unsere Gesellschaft den Problemen der Überalterung noch standhalten kann und welchen Preis die jüngere Generation in diesem Szenario zahlen wird. Viele Trends aus der heutigen Zeit werden sich bis zum Jahr 2030 möglicherweise noch verstärken: Gleichzeitig Kinder erziehen, Lebensunterhalt verdienen, Angehörige pflegen und auch noch für die eigene Rente aufkommen - auf die jungen Menschen, die in dieses Jahrhundert hineingeboren wurden, kommt eine enorme Belastung zu. Ohne Umdenken in der Sozial-, Einwanderungs- und Familienpolitik ist dies für viele nicht zu schultern. Für die Jungen heißt es also aufrecht in den Abgrund angesichts dieser Herausforderung - oder sie müssen einen tiefgreifenden Wandel in der Gesellschaft herbeiführen. via: Presseportal: ZDF - "2030 - Ausbeutung der Enkel" / ZDF dreht neue Doku-Fiction zum Thema Demografischer Wandel


 




19.11.2009

Im Tiergarten mit Blick zum Zoologischen Garten. Dort der Weg am Kanal, der bei Sonnenuntergang geschlossen wird. Bald ist der Himmel über Berlin wieder belebt mit diesem Vogelschwarm, vom Tiergarten zum Reichstag bis zum Dom und wieder zurück. Fav-Stare.
 










Arbeit am Selbst. Die 25 härtesten Fragen im Jobinterview – aus Personalersicht nehme ich gern als Herausforderung an und beantworte sie sehr gerne. Quasi als Blogstöckchen. Denn Blogstockschulden sind Ehrenschulden.

Woher wissen Sie, dass Sie einen guten Job gemacht haben?
Ich bin eher ein intrinsischer Typ. Ich weiss, dass ich einen guten Job gemacht habe, wenn ich selber mit meiner Arbeit zufrieden bin. Ich bin mein schärfster Kritiker. Gleichzeitig ist mir natürlich Lob von Kunden oder Auftraggeber sehr wichtig. Die beste Form des Lobes eines Kunden ist die Weiterempfehlung.

Wenn Sie dieses Unternehmen vielleicht einmal verlassen: Was soll man Ihnen nachsagen?
Ich suche eine Aufgabe, die zu mir passt, egal ob ich festangestellt bin oder als Freiberufler arbeite. Entsprechend wünsche ich mir, dass wenn ich nicht mehr mit dieser Aufgabe betraut bin, ich in guter Erinnerung bleibe. Und zwar als jemand, der in seiner Arbeit aufgegangen ist.

Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten?
Ich habe alle meine bisherigen Jobs gemocht und hege wenig schlechte Erinnerungen. An negativen Momente bin ich gereift. Und um ganz ehrlich zu sein: Allgemein kann ich am wenigsten Ungerechtigkeiten und kurzsichtige Handlungsweisen leiden, aber das findet man ja nicht nur in beruflichen Aspekten.

Was interessiert Sie an diesem Job vor allem, das sich zugleich von Ihrem bisherigen unterscheidet?
Ja, das kommt jetzt auf die tatsächlichen Aufgaben an, die Sie für mich haben. Ich versuch's mal mit "die Herausforderung" ...



Wenn Sie Ihre vergangenen zwei bis drei Positionen vergleichen: Waren Sie eher Anführer oder Ausführer? Begründen Sie bitte Ihre Antwort.
Ganz klar: Sowohl Ausführer als auch Anführer. Ich arbeite gerne für Menschen, die einen Anspruch auf Führung annehmen, wenn sich gleichzeitig dieser Führungsanspruch in guten, für mich respektablen Leistungen zeigt. Gleichzeitig habe ich mich aber auch als indirekter Anführer erlebt, indem ich berate, reflektiere, Prioritäten setzen und unterschiedliche Positionen abwägen kann und folglich Perspektiven und Lösungen vorschlage, die den Entscheidungen des Anführers zu Gute kommen. Vielleicht ist es ein Wunschtraum, aber ich sehe mich eher als vermittelnder Dirigent, als als Ausführer oder Anführer.

Wie finden Sie es, geführt zu werden?
Eine interessante Frage, ich muss da spontan an die typisch deutsche Radfahrermentalität denken, die historisch nicht viel Gutes gebracht hat. Aber, ja, ich finde es gut, geführt zu werden, wenn ich Respekt und Anerkennung vor den Leistungen eines Anführers habe und wenn der Führende sich auch rückversichert über den zu gehenden Weg. Schlecht lasse ich mich führen, wenn einer die Führung übernimmt, aber damit offensichtlich überfordert ist und das nicht zugeben kann. Auch muss alles in einem fairen und ethisch vertretbaren Rahmen... Nicht jeder ist zum Anführer gebohren. Man kennt das ja: der Führer zum Beispiel war ein armes Schwein, er hatte keinen Führerschein.

Wenn Sie auf dem Cover eines Magazins erscheinen könnten – welches Magazin würden Sie sich aussuchen?
Sie stellen diese Frage, um zu sehen, wie kreativ – oder womöglich auch wie eitel ich bin und wo ich mich künftig gerne sähe. Aber ganz ehrlich, so oberflächlich die Frage ist, so plakativ muss ich antworten: Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber gar nicht auf einem Cover von irgendeinem Magazin erscheinen. Lieber hätte ich, dass wir als Team kollektiv für das stehen, was wir gemeinsam Leisten. Es soll in vielen Medien gleichzeitig eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem geschehen, wofür wir zusammen stehen. Wäre das nicht viel erstrebenswerter, als lediglich ein Hochglanzfoto von meiner hübschen Fresse?

Erzählen Sie mir etwas von sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht und mir hilft, Sie von anderen Bewerbern zu unterscheiden und mich an Sie zu erinnern.
Als ich noch Kind war, habe ich meinen Eltern innerhalb von wenigen Wochen ca. 300 Mark gestohlen und in Unterhaltungselektronik und Süßigkeiten investiert. Als das zu einem gewissen Teil raus kam, gab es ziemlich Ärger. Seitdem habe ich ein sehr konservatives, respektvolles Verhältnis zum Eigentum anderer.

Wie geht es Ihnen heute morgen?
Danke der Nachfrage! Super, wie immer. Und Ihnen?



Was wissen Sie über unser Unternehmen?
Ich hab ihre Homepage gelesen, habe meine Social Media Kontakte über sie befragt und bin bestens über die Probleme des Unternehmens mit dem Betriebsrat informiert. Mich würde im Gegenzug interessieren, was sie eigentlich über mich wissen? Haben Sie wenigstens mal nach mir gegoogelt? Mein Blog gelesen? Oder haben Sie sich etwa nur mit meinem Lebenslauf auf dieses Gespräch vorbereitet?

Wann haben Sie das letzte Mal die Regeln gebrochen und warum?
Das letzte mal habe ich vermutlich gegen Rechtschreibregeln verstoßen (langes, irres Lachen). Aber im Ernst: Ich breche dann mit Regeln, wenn sie zu starr oder überholt sind und offensichtlich auch andere in der Gesellschaft eine Regel aufweichen. Die Regeln unseres Gesprächs etwa finde ich brechenswert. Warum stellen Sie hier eigentlich die Fragen? Wäre es nicht viel leichter für Sie, wenn ich Sie fragen würde, und Sie müssten lediglich antworten, was für eine Person sie eigentlich für die offene Stelle suchen? Scherz beiseite. Ich poche gern auf die Einhaltung von Regeln, wenn es unfair wird oder jemandem durch die Nichteinhaltung geschadet wird, oder im weiteren Sinne gesellschaftliche, moralische und ethische Grundsetzte verletzt werden.

Wenn Sie Ihren perfekten Job selbst gestalten könnten – wie sähe er aus?
Millionenlottogewinn. Und dann nur noch machen, was mir Spaß macht.

Was werden Ihre Kollegen hier von Ihnen lernen?
Das möchte ich lieber den Kollegen überlassen, was sie von mir lernen möchten. Ich bin da offen und werde mich sicher nicht aufdrängen.

Was kann Ihnen diese Position bieten, das Ihre bisherige nicht kann?
Ich verstehe Ihre Frage nicht. Ich dachte, wir sind uns einige, dass wir hier über Macht, Reichtum und Unsterblichkeit sprechen?

Wenn ich zwei Ihrer Ex-Kollegen zu Ihnen befragen würde – einen Freund von Ihnen und einen, der das eher nicht ist: In welchen Punkten würden dennoch beide übereinstimmen?
Verbindlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Loyalität.



Wenn wir Sie jetzt einstellen: Was werden Sie in den nächsten 90 Tagen als erstes unternehmen?
Elternzeit.

Was bedeutet Integrität für Sie persönlich?
Integrität bedeutet für mich erstens: die charakterliche Unbescholtenheit, Unversehrtheit oder Unverletzlichkeit von jemandem, zweitens: die Fehlerfreiheit, Richtigkeit bzw. Vollständigkeit von Daten (PC). Das steht so in der Wikipedia. Kann aber auch sein, dass Integrität irrelevant ist.

Was schuldet ein Unternehmen seinen Mitarbeitern?
Eine faire Behandlung der Mitarbeiter, was die Wertschätzung der Arbeit und die Privatsphäre der Mitarbeiter angeht. Eine Unternehmenskultur, die Offenheit, Transparenz und gleichzeitig Identifikation ermöglicht.

Was erwarten Sie von einem Unternehmen, in das Sie Ihr Talent und Ihre Zeit investieren wollen?
Ich erwarte eigentlich ein hohes Maß an Bewusstsein über gesellschaftliche Werte und Nachhaltigkeit. Können Sie mir das bieten?

In welcher Ihrer Eigenschaften fühlen Sie sich von anderen Menschen missverstanden?
Manchmal werde ich als "unsicher" oder "wenig zielstrebig" eingeschätzt, weil ich Zweifel habe, nachfrage oder mich in einem Punkt des Gesprächs vertiefen möchte.



Was wollen Sie werden, wenn Sie groß sind?
Danke, aber ich besitze bereits eine gefestigte Identität. Nächste Frage.

Erzählen Sie mir etwas über den besten Chef, den Sie je hatten.
Der beste Chef, den ich je hatte, hatte Fehler und war so menschlich, diese Fehler zugeben zu können. Er hat mit seiner Persönlichkeit gearbeitet, war spontan, chaotisch und mitreissend. Ich konnte seine Arbeit respektieren, weil sie gleichzeitig frech war und inhaltlichen Tiefgang hatte.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde – wofür würden Sie arbeiten? Was würden Sie mit Ihrem Leben bewirken wollen?
Ich würde dafür arbeiten, dass Leute es besser verstünden, über ihren Tellerrand zu blicken und mir dadurch die Grenzen meiner Echo-Kammer aufzeigen.

Was ist Ihre größte Sorge – diesen Job betreffend?
Ganz im Vertrauen: meine größte Sorge ist eigentlich, dass Sie sich eventuell vorab nicht ausreichend damit beschäftigt haben könnten, was für eine Person Sie eigentlich für diesen Job suchen.

Ganz am Ende des Jobinterviews: Wie würden Sie Ihr aktuelles Interesse für diesen Job auf einer Skala von 1 bis 10 (10 = Maximum) einordnen?
Natürlich Maximum! Am liebsten hätte ich schon vor vier Wochen mit dem Job begonnen. Das hätte Ihnen viel Arbeit erspart. Wir sehen uns dann also morgen um 9 Uhr?

Hier geht's zu meinem Xing-Profil.
 




16.11.2009

Das Kind hat am Sonntag mit Fingerfarben Fische gemalt. Sie hat noch nie lebendige Fische gesehen, dachte ich mir. Daher heute bei Karstadt am Hermannplatz gewesen, dem Kind in der Tierhandlung dort Fische gezeigt. Hasen und Mäuse und Vögel waren spannender. Zum Abendessen gab es gebratenen Seelachs aus der Tiefkühltruhe.
 





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Vollkommen falsche Event-Inszenierung. Kein Durchkommen, weder von Ost- nach Westberlin, noch von West- nach Ostberlin. Die Mauer steht wieder und es ist kein Durchkommen. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls sollte man doch wirklich eine Absperrungslogistik inszenieren, die die Wiedervereinigung nachempfindet. Macht Geschichte gangbar und stellt nicht unüberwindbare Plastikabsperrungen am Mauerverlauf auf, Mensch!

Und überhaupt: Domino Day mit Mauerteilen, die aussehen wie verpackte Billy Regale? Das haben die doch bei Harald Schmidt und Christo abgekupfert!


 




Die Radiosendung Breitband vom Deutschlandradio Kultur hatte John Weitzmann (von Creative Commons Deutschland) und mich interviewt zu Filmen, die unter einer Creative Commons Lizenz stehen und also offiziell frei im Netz zum Download zur Verfügung stehen. Hier die Seite zur "Breitband" Sendung vom 7.11.1009 und der Direktlink zum mp3 der gesamten Sendung vom 7.11.2009 oder folgend nur der mp3-Ausschnitt über CC-Filme.

Das Vorurteil, dass CC-Filme oft den Hauch des Unprofessionellen versprühen, musste ich in der Vorrecherche zur Sendung etwas revidieren. Natürlich findet man (noch) nicht die perfekten Blockbuster, aber interessant finde ich, dass Independetfilmemacher mehr und mehr zur CC-Lizenz greifen, um eine viel weitere Zirkulation zu ermöglichen, als es die klassische Arthous-Distribution könnte.

Folgende zwei Filme kann ich guten Gewissens empfehlen (und ich nehme mir vor, in Zukunft weitere neue CC-Filme hier zu besprechen):

Nasty Old People
Ist eine Fiction-Independentproduktion aus Schweden, die im letzten Oktober Premiere hatte. Die Story handelt von einer jungen Neonazi-Frau, die als Altenpfelgerin arbeitet. Am Anfang geht sie fast menschenunwürdig mit ihren Pflegepatienten um und im Laufe des Films änder sie aber ihre Einstellung und verhilft ihren Patienten und sich zu einem schöneren Leben. Der Film ist gutes, gefühlvolles Independentkino aus Schweden. Die Schauspieler können was, die Filmstyle und die Kamera sind sehr solide. Der Film könnte von seiner Machart einem auch in einer Sektion für junges europäisches Kino auf großen Filmfestivals wiederbegegnen.

Sita sings the Blues
Für jene, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, ist dieser abendfüllende Trickfilm schon ein ziemlich alter Hut. Trotzdem nochmal an Herz gelegt, weil es wirklich eine tolle, künstlerische Animation ist, die es damals sogar auf die Berlinale schaffte. Die Filmemacherin Nina Paley äußert sich auf ihrer Seite recht ausführlich, warum sie den Film unter CC-Lizenz gestellt hat: Zum einen gab es für eine kommerzielle Distribution Lizensierungsprobleme mit der im Film verwendeten Musik, zum anderen ist der Film finanziert über Spenden des Publikums, sodass Nina Paley den Standpunkt vertritt, "from the shared culture it came, and back into the shared culture it goes".
 






TRISTESSE DELUXE

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