Masha Qrella @Festsaal Kreuzber

Heute der Job inbetween: für Geld rumsitzen und sich in einem Transporter elf Stunden durch Berlin schütteln lassen. Zwischendrin mal was anpacken. Es hat viel geregnet, der erste Schnee, es fuhren eine Menge Autos rum. Auch ein kleiner Blechschaden. Es tut einem zwischendrin mal ganz gut, für rein gar nichts zuständig zu sein. Warum aber müssen Regieassistentinnen immer so sein? Oder sind die einfach so nur so?

Um so mehr ein Grund, diesen Tag mit einem besseren Abend abzurunden auf einem kleinen, familiären Konzert von Masha Qrella vorhin im Festsaal Kreuzberg. Ich bin sehr müde und kein Musikkritiker, daher nur kurz: Analoge Musik, Timing auf den Punkt, melancholisch und mit Wumms, unterstützt von elektronischen Orientierungslinien. Und unterstützt von It's a Musical! Vorband war kurz Sound of Lucrecia und davor ein Mädchen, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. Sie war gefesselt an ein schwarzes iBook und eine Gitarre, auf der etwas draufgeklebt war, das aussah wie ein iPhone, auf dem eine Mini-Mischpult-App lief und mit ihren Füßen bediente sie eine Loop-Maschine.

Danke für dieses schöne Geburtstagsgeschenk, F.! Habe es sehr genossen. Auch wenn im Hinterkopf schon die Gedanken um meine Podiumsdiskussion morgen kreisen. Wird man je genug vorbereitet sein auf alles?



Und überhaupt: http://www.morrmusic.com/
 






Vor wenigen Jahren war es eher unüblich, überall in sozialen Netzwerken Fotos von sich zu veröffentlichen. Mittlerweile scheint da eine leichte Veränderung im Empfinden von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten vonstatten zu gehen. Um diese Veränderung am eigenen Körper und an eigener Seele nachzuempfinden, hatte ich vor rund 250 Tagen einen kleinen Selbstversuch gestartet - das Ich in 365 Bilden Projekt. Ausgangspunkt war mein Unbehagen, Bilder von mir im Netz zu sehen. Durch ein tägliches Posting eines tagesaktuellen Fotos von mir wollte ich ein Rauschen produzieren, das im günstigsten Fall auch zu einer Selbsttherapie führt.

Was soll's? Es langweilt mich inzwischen. Ich werd das jetzt abbrechen, die letzten 160 Tage werden entweder nie oder verstreut nachgereicht. Zumindest ein Punkt in diesem Selbstexperiment ist erreicht: Ich kann - anders als vorher - wieder Fotos von mir ansehen, ohne gleich innerlich über mein Aussehen zu lamentieren. Interessant für mich ist auch, die eigenen Grenzen meines Empfindens von Privatsphäre mit diesen Fotos etwas ausgelotet zu haben.
 




Geschichtsbuch_1

Geschichtsbuch_2
(Die gesammelten Werke der 12-jährigen Ida aus einem deutschen Geschichtsbuch von 1941)

Die Zeit mit ihren Taschenspielertricks! Sie trickst und trickst, buhlt darum, uns jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde neu vorkommen zu lassen und dabei verkauft sie uns lediglich den alten Kram nicht mal geschickt getarnt in neuer Verpackung.

Jene Pennälersprüche der Siebtklässlerin Ida von 1941, würde man sie heute twittern, würden sicher den einen oder anderen Fav abbekommen. Es hat sich tief drinnen im Wesen des jungen Menschen an sich nicht viel geändert. Gut, mit etwas Glück gibt es heute andere Geschichtsbücher, die Schriftart ist sicher moderner, die Lehrmethoden womöglich auch. Aber langweilen? Das tun wir uns noch immer, auf der Arbeit, in der Vorlesung, in der Schule. Als 12-jährige und womöglich mit 48 Jahren immer noch.

Samstag konnte man diesen James Bond von 1997 zum x-ten Mal im Fernsehen sehen. Der, wo auch das Atlantic Hotel direkt am Hamburger Hauptbahnhof zu sehen ist. 1997 ist jetzt 12 Jahre alt. Als ich damals im Alter von 12 Jahren 12 Jahre alte James Bond Filme im Fernsehen sah, waren das Filme, die fern meiner ästhetischen und gesellschaftlichen Realität wahren. Das waren Filme aus anderen Zeiten. Erschreckend, heute sind 12 Jahre alte James Bond Filme für mich einfach nur noch von 1997.

Heute konnte man Mediendinosauriern bei der Eröffnung der #medientage auf einem Podium beim Aussterben zusehen. Angesichts meiner eigenen Zeitvergänglichkeitswahrnehmung möchte ich wetten, dass jenen volljährigen Herren 12 Jahre alte James Bond Filme noch immer wie Zukunftsvisionen daher kommen: ein Handy mit aufklappbarer Tastatur und mit Touchpad? Unfassbar!
 









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Ich verlese mich immer, wenn ich dran vorbei komme und habe gleichzeitig das Klagen der jungen Mutter nachmittags auf dem Spielplatz im Ohr, dass in ihrer Filiale jetzt alle Azubis untergekommen seien, und dass sie damit ja viel mehr Arbeit habe, als wenn sie alleine im Laden wäre. Eine wahre Azubi-Falle, in der man da steckt.


 





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Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich hier eine Luftschifferstation mit Versuchsgelände. Hier wurde der Traum vom Fliegen erprobt, hier arbeiteten Visionäre. Heute befindet sich hier ein sechspuriger Autobahnzubringer: die Möbelhäuser-Baumärkte-Straße.


 




D A letter N K E

Momentan sieht es so aus, als wäre ich beim Online-Voting von den ZDF-Bodybits (äh, ich berichtete ...) von 120 Filmprojekten auf Rang 13 gekommen. Das bedeutet, dass ich nicht durch das Voting in die Runde der 25 Finalisten gekommen bin. Die einzige Möglichkeit, die jetzt noch besteht bei den Finalisten dabei zu sein, ist, dass ich in das Beuteschema der Bodybits-Redaktion passe. Diese sucht nämlich 20 Projekteinreichungen nach eigenen Kriterien aus. Die 25 Finalisten setzen sich dann aus den fünf Gewinnern des Votings und den 20 Redaktionslieblingen zusammen. Diesen Finalisten werden ab dem 20.10. weitere Fragen zu ihren Projekten gestellt, und schließlich sucht eine Jury aus den 25 Finalisten im Dezember fünf Projekte aus, die dann produziert werden.

Morgen stehen die Finalisten fest. UPDATE, 16.10.2009: Die Finalisten stehen fest. Ich bin nicht dabei. Ich vermute, dass ich nicht dabei sein werde, denn mein Bewerbungsvideo war mit heisser Nadel gestrickt und überzeugt in mindestens einem Punkt nicht: Ich zeige nicht, wie ich diesen Film machen möchte. Andererseits sind bei den Einreichungen viele Projekte dabei, die bereits fertige oder abgedrehte Filme sind. So ganz scheint mir das dann auch nicht in die Suchkriterien der Bodybits-Redaktion zu passen, die in der Ausschreibung explizit darauf hinweisen, dass die Produktion der Filmprojekte ebenfalls webzweinullig in Produktionsblogs und durch Video-Zwischenstandsberichten dokumentiert werden. Das ist ja dann schon eher wieder mein Gemüse. Man wird sehen.

Danken möchte ich Euch jetzt bereits für die Unterstützung! Dafür, dass ihr für mich durch diese Flashhölle gegangen seid, dafür dass ihr euch registriert habt, für den erlittenen Frust bei einigen von Euch, dass trotz der Registrierung der nötige Bestätigungslink vom ZDF nicht verschickt wurde. Und dafür, dass trotz erfolgreicher Registrierung bei einigen der Rechner abgraucht ist. Für die aufmunternden DMs, die RTs, die Replys und überhaupt das Vertrauen in mich, einen Film machen zu können, über diese neue Form der Sozialbeziehungen im Internet.

Mein Dank gilt (in alphabetischer Folge)

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Und vielen, vielen anderen, die stillschweigend gevotet haben, die über Retweets anderer, über Facebook oder über meinen E-Mail Verteiler auf die Sache aufmerksam wurden.
 




Ich bräuchte bitte einmal Deine Hilfe bei so einem Online-Voting. Das ZDF hat in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt eine Onlineausschreibung für Filmideen zum Thema Bodybits - Analoge Körper in digitalen Zeiten gemacht.

Und ich hab da eine Projektidee eingereicht:

Beziehungskiste Web 2.0 - Projektvorschlag ZDF Bodybits from tristessedeluxe on Vimeo.

Gut, das Video ist jetzt noch nicht so richtig geil. Hab ich schnell an einem halben Tag gemacht, weil ich die Ausschreibung erst so spät gesehen hatte. Aber das soll jetzt nicht das Problem sein. In Form eines essayistischen Videotagebuchs möchte ich mich mit den sozialen Beziehungen beschäftigen, die wir im Digitalen führen. Ihr kennt das Phänomen: Wir alle kommunizieren mehr und mehr Privates im Internet und pflegen Freundschaften öffentlich im Internet. Dabei verwischen die Grenzen von analogen und digitalen Freundschaften zusehends. Es ist zur Normalität geworden, dass jeder sich bewusst oder unbewusst im Internet zur medialen Figur stilisiert und gleichzeitig wir unseren Bekanntenkreis als medial vermittelte Figuren wahrnehmen. Doch obwohl wir spielerisch mit dieser neuen Medienrealität umgehen, es bleibt ein gewisser Beigeschmack. Wie werden wir in Zukunft unser Liebesleben regeln, wenn etwa das MySpace-Profil einer verflossenen Liebe weiterhin online ist? Wie verändert sich die Arbeitsatmosphäre, wenn der Chef ein leidenschaftlicher Twitterer ist? Wie verändert unser Tun im Internet unsere sozialen Beziehungen?

Damit ich es mit meinem Projektvorschlag in die nächste Runde schaffe, brauche ich gute Bewertungen. Abgestimmt werden kann bis zum 15. Oktober.

Und so kannst du für mein Projekt stimmen, es ist nicht ganz leicht, aber zusammen schaffen wir das:

1. diesen Link klicken und etwas warten. Dahinter verbirgt sich die Flash-Seite zum Bodybits-Projekt in der ZDF-Mediathek, die etwas mächtig ist und Zeit zum Laden braucht.

2. Auf den blauen Balken "Projekte" klicken:




3. in der Suchbox (rechts) nach meinem Nachnamen "Allmer" suchen :




4. Auf das Video klicken und mit 5 Sternen bewerten:



Zum Abstimmen muss man sich mit E-Mail und Name registrieren. Man erhält umgehend eine Bestätigungs-E-Mail mit einem Link (bitte klicken). Erneut einloggen mit E-Mail und Passwort und nun das Video mit fünf Sternen bewerten.

Tipp: Für die ZDF-Registrierung alle Popup- und Flash-Block-Plugins ausschalten.

UPDATE (12.10.2009) Aus aktuellem Anlass eine kleine Ergänzung:
Da es seit einigen Tagen Probleme beim Registrierungsvorgang gibt (E-Mails vom ZDF mit dem versprochenen Bestätigungslink kommen bei einigen Abstimmungswilligen nie oder erst nach einigen Minuten Wartezeit an), hier die E-Mail und Telefonnummer der Bodybits-Redaktion und ein vorformulierter Text:
An: bodybits@zdf.de
Betreff: Registrierung Bodybits-Abstimmung

Sehr geehrte Bodybits-Redaktion,
ich begrüße es sehr, dass das ZDF mit Online-Projekten wie den Bodybits Möglichkeiten und Chancen des Internets auslotet. Gerne würde ich auch an der Online-Abstimmung teilnehmen, jedoch: der Registrierungsvorgang scheint zu haken. Selbst nach mehrmaligen Versuchen bekomme ich keinen Bestätigungslink auf die von mir angegebene E-Mail-Adresse gesendet. Selbstverständlich habe ich auch den Spamordner überprüft. Wenn ich trotzdem einen Login versuche, sagt mir eine Fehlermeldung, ich müsse erst auf den Bestätigungslink klicken. Da ich diesen technischen Fehler nicht ändern kann, möchte ich hiermit per E-Mail mein Voting abgeben:

Projekt: "Beziehungskiste Web2.0" - fünf Sterne

Ich hoffe sehr, dass Sie mein Voting mit in die Abstimmung einbeziehen können und verbleibe mit freundlichen Grüßen ...


Oder halt mal anrufen - Telefon: +49(0)6131-70-2482

Vielen Dank für die Unterstützung!

(Und wenn Du willst, sag es Deinen Freunden und Followern.)
 




..., denn ich bin nicht recht in Stimmung, schiebe aber seit Wochen zwei Punkte auf meiner Todo-Liste vor mir her, die ich schnell noch vorm TV-Duell (was ich nicht gerade mit Spannung erwarte) wegerledigen kann: "Bloggen zu ELI STONE" und "Bloggen zu THE READER" (man sollte nie auf eine Todo-Liste schreiben, dass man noch zu Demunddas was bloggen möchte. Denn dadurch bekommt das gleich so eine gewaltige Bedeutung, dass man mit ganz anderen Erwartungen ans Schreiben drangeht, die Leichtigkeit und überhaupt die ganze schöne Mitteilsamkeit flöten geht).

Also, "The Reader" gesehen, okay gefunden, zur Hälfte irgendwann eingedöst.

Und: Die amerikanische TV-Serie "Eli Stone" (1. Staffel) um einen Rechtsanwalt der seherische Fähigkeiten entdeckt und fortan als Gutestuer in einer Kanzlei seine Fälle anhand seiner Visionen vertritt, möchte ich gern empfehlen. Eine Mischung aus "Ally McBeal", "Ein Engel auf Erden" und noch irgendwas, was ich aber inzwischen vergessen habe. Ist ja auch egal.

Das war's auch schon. Danke für die Aufmerksamkeit.
 




Die Begeisterung, mit der sich Cinephile mit Film und Kino beschäftigen und darüber schreiben, lässt mich immer wieder erblassen. Und im selben Atemzug merke ich, wie zurückhaltend meine Begeisterung nicht nur gegenüber Filmen, sondern vielen Dingen im Leben überhaupt gestaltet ist. Eines der Weblogs, das mich 2003 überhaupt zum Bloggen gebracht hat war das Filmtagebuch von thgroh, damals noch auf blogspot.com. Ich hatte gerade das Studium der Filmwissenschaft erfolgreich abgeschlossen, er fing das selbe Studium gerade erst an und mit eine Mischung aus Neid und Respekt zog ich den Hut vor seinen Filmbesprechungen. So stark war bei mir der Filmfreak zu keinem Moment meines Studiums durchgebrochen.

Ich komme darauf zu sprechen, weil ich gerade etwas Zeit hatte, mich durch das Online Dossier
Internet (1): Weblogs, YouTube und Cinephilie
aus dem April 2009 des filmwissenschaftlichen Projektes Kunst der Vermittlung: Aus den Archiven des Filmvermittelnden Films zu lesen. Darin geht es um die Gattung des filmvermittelnden Films und in welchen Formen diese Gattung im Internet auftaucht. Vor allem wird darin auf Kevin B. Lee zurückgegriffen, der mit seinem Filmblog und auf seinem YouTube Account mit neuen Formen und Möglichkeiten der Online-Filmkritik experimentiert. Als Gastautor von Kunst der Vermittlung, schreibt er über seine Erfahrung mit seinem Blog und dem Web2.0-Phänomen, dass der Zuschauer zum Produzenten wird:
On the topic of public vs. private, I should comment on the controversy over my videos that occurred at the start of 2009 when YouTube temporarily suspended my account after receiving complaints of copyright violation by a few corporations whose films I had showcased in my videos. Thanks to an outcry among my peers and the digital rights community over my right to distribute the videos under the provisions of fair use law, I was able to successfully counter the complaints and regain my account. I want to make clear that I support the right of artists to maintain their copyright and be rewarded for their work; if anything, my videos are produced with the intent of celebrating and promoting the work of these artists. It is clear from visiting the the many user-created videos on YouTube or other video sites that we have quickly entered a new era of cultural production where the audience has as much means to create as the artists, leading to a more open and perhaps even more democratic means of creative exchange. Parties who wish to profit in today's world, whether they be individual artists or corporations, have to acknowledge this new reality, and learn that they probably have more to gain from learning how to embrace and harness its energy rather than resisting or surpressing it. (Kevin B Lee: The Viewer as Creator) Dass es selbst bei diesen eher filmdiskursiven, filmkritischen Videoformaten Anfang 2009 zu Urheberrechtsklagen kam, finde ich ziemlich bezeichnend für unsere Zeit des kulturellen Wandels, in der selbst alt hergebrachte Fair-Use-Regelungen für Bildung, Lehre und Wissenschaft von kommerziellen Interessen aufgebohrt werden. Wenn es jene Menschen nicht gäbe, die sich ausführlich mit einem künstlerischen Inhalt beschäftigen, ihn Kontextualisieren und in Diskurse verpacken, gäbe es keine Kulturgeschichte. Und gäbe es keine Filmfreaks, die mit allen ihren Mitteln versuchen über und mit Filmen zu kommunizieren, gäbe es keine Filmgeschichte (und somit kein Interesse an den Backlisten der Filmdistributionen).

Mit ähnlicher Begeisterung für Filmgeschichte scheinen mir die Betreiber der Webseite They Shoot Pictures, Don't They? ausgestattet, die ein Ausgangspunkt für Filminteressierte ist, welche sich tiefergehend mit weiteren Filmen eines Regisseurs oder eines Genres und relevanter Literatur darüber informieren wollen. Eines der Projekt von They Shoot Pictures, Don't They? ist die web-zwei-nullige Filmempfehlungsseite iCheckMovies. Dort wird mit einem Kanon der 1.000 besten Filme aufgeboten aus den Empfehlungen von Filmkritikern, Filmwissenschaftlern, Filmemachern und ähnlich gearteter Personen. Vom Nutzen ein wenig vergleichbar mit der deutschen Seite moviepilot.de. Und in der Kanonisierung von Filmgeschichte wohl ähnlich wie die New York Times mit ihrer langen Liste mit Links zu den in der New York Times erschienen Filmkritiken: The 1,000 Best Movies Ever Made.

Vielleicht finde ich sie ja wieder, diese leise Begeisterung für Filme, die ich einmal hatte und die irgendwann auf dem Weg vom Hobby zum Beruf sich angewöhnt hat, sich wie ein scheues Reh zu verhalten.
 




Mein eigener, geheimen Anspruch hier täglich was reinzuschreiben, lässt mich täglich scheitern. So hat man praktischerweise immer ein schlechtes Gewissen.

Sei es drum. Ich geh jetzt ersteinmal paddeln im Brandenburgischen mit einer Horde iPhone-Nerds. Bin gespannt, wer als erstes weint, weil der Akku nicht mehr mitmacht, oder das Teil ins Wasser gefallen ist.

PS: Gestern war mein letzter Tag auf dem alten Job.
 




Schweigen ist Gold

Dieses Foto wurde mit einem Handy auf flickr.com hochgeladen, wie man das schon seit vielen Jahren mit jedem Handy kann, dass eine Kamera hat und MMS und/oder E-Mails versenden kann. Und eigentlich wollt ich zu der ganzen Sache schweigen, aber ...

Der heutige Sturm im Wasserglas war davon geprägt, dass eine Bloggerin, die auf dem Namen Frau Schnutinger hört, sich entschlossen hat, nicht mehr im sogenannten Web 2.0 aktiv zu sein. Vorangegangen war der Start einer großen Werbekampagne eines großen Mobilfunkproviders, in der leider etwas glücklos versucht wird, jene Sorte von Menschen zu umarmen, die ins Internet reinschreiben, Fotos und Videos von ihren Erlebnissen hochladen und sich auch mobil auf dem Handy nicht von ihrer bevorzugten Kommunikationstechnik, dem Internet, trennen können und wollen. Also, so Leute, wie Sie und ich es sind und wie es Frau Schnutinger vielleicht war. Diese umfangreiche Kampagne schließt neben TV-Spots, Plakaten und dem normalen Anzeigenzeugs auch "Social Media Marketing" mit ein. Werbung also. Schön und gut. Braucht der Medienmensch im heutigen System, wie die Luft zum Leben. Frau Schnutinger ist Teil davon, weil sie offenbar ein bestimmtes Bloggerinnen-Stereotyp bedient. Im TV-Spot ist sie ganz kurz als Mutter mit einem Baby zu sehen, die auf einem begrüntem Dach einer Großstadt irgendwas am Computer macht. Und gestern hat Frau Schnutinger unter ihrem Realnamen im Blog des Mobilfunkanbieters einen etwas unglücklichen PR-Beitrag über sich, wie sie das Internet nutzt und ihr neues Handy veröffentlichen lassen. Unglücklich ist der Text für mich, weil er sich anbiedert. Er biedert sich an an die vermeintlichen LeserInnen, an den Werbetreibenden und auch an das Testhandy selber. Ich möchte diesen Artikel eigentlich nicht direkt verlinken, denn der ganze Salat wird ja eh schon viel zu wichtig genommen. Das Ganze ist gewohnt emotional beim Felix Schwenzel losgetreten und er steigt auch gleich mit dem betreffenden Textausschnitt ein - und ein ganz klein wenig Textkritik darf erlaubt sein. In dem PR-Beitrag wird beschrieben, wie wirklich, wirklich praktisch wenig Knöpfe das Testhandy hat, dass man damit Fotos auf die Foto-Sharing-Plattform flickr.com hochladen kann und dass zusammen mit dem Testhandy offenbar eine SIM-Karte mitgeliefert wurde, weshalb sich die Bloggerin keine Sorgen mehr über Online-Kosten machen müsse. Toll, wenn das einzige technische Herausstellungsmerkmal für das schicke Handy etwas ist, was heute wirklich beinahe jedes Handy kann. Das soll sicherlich ironisch gemeint sein, kommt aber in diesem Kontext auf dem Weblog eines Mobilfunkbetreibers nur ziemlich blöde als gebloggter Blondinenwitz rüber. Von dem ganzen Genderkram, den sowas theoretisch lostritt ganz zu schweigen, Frau Schnutinger hat wohl offenbar den Umfang und die Wirkung auf die eigene Persönlichkeitsphäre einer solchen Kampagne nicht so recht erfasst. Und dass, obwohl sie durch ihr eigenes Weblog doch durchaus etwas Übung mit Selbstdarstellung und vordergründigem Humor im Internet hat. Dass es auch anders geht, mit einem derartigen Marketing-Angebot umzugehen, ohne die Selbstachtung zu verlieren, zeigt Kosmar, er ist ebenfalls in die Kampagne als Sekundengesicht im TV-Spot und als Testhandytester involviert.

Womit ich zum eigentlichen Punkt komme, der mich interessiert. Denn die ganze Welle ist ja in Wirklichkeit gar nicht so groß, is ja nur Internetz. Malte Welding gibt den Versuch einer emotions-psychologischen Analyse des Rücktritts von Schnutinger und genau darüber habe ich heute im Büro und auf dem Spielplatz auch die ganze Zeit nachdenken müssen. Mich wundert nicht die Schieflage der Kampagne, sondern mich interessiert, wie unterschiedliche Protagonisten der Kampagne damit umgehen. Und dass jetzt jemand wie Frau Schnutinger offenbar so überwältigt von der Medienwirkung "Werbung" ist, dass sie ihre Onlineaktivitäten einstellt, bzw. zurückschraubt, bestärkt mich, mich weiter mit einem Thema zu befassen, das mir in den letzten Monate immer klarer erscheint.

Im Mittelpunkt meiner Gedanken steht dabei sowohl die "Interaktion" zwischen Medienfiguren und Mediennutzern als auch die "Beziehungen", die das Publikum zu den Protagonisten der Medien unterhält. Man kennt es aus dem Fernsehen: Wenn etwa ein TV-Showmaster seine Zuschauer begrüßt, wenn Seifenopern-Rezipienten ihre Lieblingsprotagonisten anhimmeln, wenn NachrichtensprecherInnen zum fast ständigen Begleiter des Publikums werden, baut sich ein gewisses Beziehungsverhältnis auf. Innerhalb der Kommunikations- und Medienwissenschaft spricht man hierbei von "parasozialen Interaktionen", bzw. von "parasozialen Beziehungen". Theoretisch geht das zurück bis zum frühen Radio. Mich würde interessieren, das Ganze auf das soziale Internet auszuweiten. Denn anders als bei Radio und TV werden wir durch das Ins-Internet-Uploaden alle im kleinen oder wie im Fall Frau Schnutinger im größeren Maßstab zu Medien-Personæ. Also zu medial-vermittelten Figuren, die unter Umständen nicht mehr unserem eigenen Bild von uns entsprechen. Und da fangen die Probleme an: Wie fühlt es sich denn eigentlich an, wenn wir alle vom Gegenüber ein medial-vermitteltes Bild haben. Wie gehe ich damit um, wenn ich an der Imbissbude plötzlich von wildfremden Leuten, die ich zwar aus dem Internet kenne, angesprochen werde, weil die mich aus dem Internet kennen. Spannende Sache also! Daher mein Aufruf: Wenn jemand dafür eine/n interessierten DoktorvaterMutter in der Nähe von Berlin kennt mit weit offenem Stipendientopf - her damit! Es muss auch kein Doktortitel dabei rausspringen, ein ordentlicher Buchvertrag wäre auch schon okay. Ich hab auch bereits einen catchy Titel: "Web 2.0 als Beziehungskiste". Also: wenn wer einen Tipp hat, schicke ich gern mein drei-seitiges Treatment.

Schließen möchte ich mit einem (unbezahltem) Literaturhinweis aus dem E-Mail-Newsletter eines mir bekannten Kleinverlegers. Ich finde, als Kommentar zu der ganzen Social Marketing Aufregung, den die VF-Kampagne da evoziert hat, ist das ganz passend, vielleicht interessiert Sie das ja auch:
Dank der Verhaltensbiologie, Informatik und Biotechnologie hat sich die moderne Rinderhaltung vollkommen automatisiert. Das Zauberwort der schönen neuen Kuhstallwelt, deren Schöpfer stets behaupten, die Tiere könnten sich frei bewegen und würden artgerecht gehalten, lautet: Herdenmanagement. Wie in modernen Kuhställen öffnen sich heute Türen nur nach einer elektronischen Identifikation. Der Bankomat funktioniert wie ein moderner Kraftfutterausgabeautomat. Die automatisierte Tieridentifikation, Voraussetzung für jedes effiziente Herdenmanagement, findet sich in Krankenhäusern, Altenheimen, Gefängnissen, an Universitäten oder in der Verwaltung.
Ohne die Erfahrungen der Rinderhaltung wäre die heutige Reproduktionsmedizin nicht zu denken. Die moderne Rinderhaltung ist Experimentierraum wie Modell künftiger Herrschaft und Kontrolle. Nicht anders als Kühe liefern wir an zahllosen Schnittstellen die für unsere Bewirtschaftung nötigen Daten. Nicht anders als Kühe werden wir zu ständiger Bewegung gezwungen und verwechseln Freiheit mit dem Zwang, zwischen vorgegebenen Angeboten wählen zu müssen. Wie das Rind konsumieren wir unsere Unterwerfung. Die Verkuhung der Welt ist nicht aufzuhalten. (Klappentext: Bernhard Kathan:
"Schöne neue Kuhstallwelt - Herrschaft, Kontrolle und Rinderhaltung"
)

 





Photo uploaded by tristessedeluxe.

... nass geworden
... mit neuem Telefon gespielt
... viel über Internet geredet
... lecker gegessen
... Bier und Schnaps getrunken
... Farbe im Gesicht bekommen
... schnell Auto gefahren und dabei laut Musik gehört

Immer noch gut gelaunt.


 




Viele kennen sicher das US-Archiv archiv.org in dem man unter vielem anderen auch kostenlos Zugang auf Public-Domain-Filme bekommt. Zu meiner Zeit als Filmwissenschaftler war das schon eine willkommene Anlaufstelle.

Das gibt es jetzt auch für Europa: Filmarchives online ermöglicht einfachen und kostenfreien Zugang zu Bestandinformationen von Filmarchiven aus ganz Europa. Über das mehrsprachige Portal können Filme nach Inhalt, filmografischen Angaben und physischen Eigenschaften gesucht werden. Die Suchergebnisse informieren über die Verwahrungsorte der jeweiligen Kopie und bieten Kontaktinformationen der Archive um den Zugang zu erleichtern. Der Fokus der Datenbank liegt auf nicht-fiktionalem Material: Dokumentar- und Unterrichtsfilmen, Wochenschauen, Werbe-, Industrie-, Reise- und Sportfilmen sowie Animationsfilmen.

Drauf gestoßen bin ich über diesen Beitrag im Deutschlandradio, der auch ein wenig auf die lizenzrechtlichen Bedingungen von Downloads dieser Filme eingeht.
 




Wenn Sie mal bitte schauen wollen: Da rechts am Rand oben wird automatisch gezählt, wie lange dieses Weblog schon beschrieben wird. Jetzt in diesem Moment steht da "Online seit 2100 Tagen". Im Jahr 2100 bin ich wahrscheinlich dann tot. Hier bloggt der Chef persönlich seit 5,7534247 Jahren.

Dieser automatische Tageszähler da rechts ist immer latent Thema. Der macht sich wichtig, Schwanzvergleich, oder die Zahl an sich erinnert an Jahreszahlen. Geburtsjahre etwa, das eigene oder die von Ex-Freundinnen. Oder historische Jahreszahlen. Das Ende des 2. Weltkriegs war auch so ein Moment, wo mir der Zähler auffiel und ich noch bei mir dachte, jetzt aber aus dem Gröbsten raus zu sein. Ist man ja aber doch nie.

Ansonsten war heute ein normaler, ruhiger Tag. Etwas warm. Wenig Aufregung. Das Kind hat sich das erste Mal das Knie aufgeschürft beim Steine in Teich werfen im Stadtpark.
 




Wir wollen nochmals an unsere Recordreleaseparty am Freitag im Prater erinnern. Wir sind total gut drauf und dann grillen wir auch noch auf der Strasse direkt vor dem Bums. Kommt alle vorbei dann küssen wir uns alle und weinen vor Glück..... Und kommt pünktlich, wir fangen echt schon so früh an.

[kam gerade in einem Newsletter rein, hab ich mich drüber gefreut]
 




08.07.2009

Heute auf dem Weg zum Spielplatz, endlich mal auf die Mauer geachtet mit der einen graublauen Kachel. Dann hat es geregnet, wir haben in der Lokomotive auf dem Spielplatz gesessen und Buttercroissants gegessen.
 




Nun blinkt jetzt seit zwei Stunden der Cursor im Textfeld und wartet drauf, dass in zwei Stunden hier was über das Skandälchen mit der Piratenpartei steht. Nach einigem Gelese in Kommentaren von Blogs wie hier, habe ich keine Lust mehr auf Meinungsfreiheit. Hab ich einfach satt. Alles verbieten!

Miss Sophie dazu:
Am krassesten fand ich Argumentation (bei mspro in den Kommentaren durchdiskutiert): Wer gegen die Zensursula-Pläne gekämpft hat, der darf jetzt konsequenterweise nichts gegen Äußerungen sagen, die den Holocaust relativieren/leugnen, weil es geht ja in beiden Fällen um die Erhaltung der Meinungsfreiheit. Bitte? Geht’s noch? Zu sagen, Meinungsfreiheit gelte absolut, hieße Kinderpornographie de facto zu legalisieren. Denn da schwingt mit, alles im Raum stehenzulassen, was irgendjemand irgendwo und in irgendeinem Medium äußert. Und darum ging es mitnichten. Es ging und geht bei der Zensursula-Debatte um einen Weg der transparenten und rechtsstaatlichen Auseinandersetzung mit strafrechtlich relevanten Inhalten, was eben nicht von einer kleinen Elite hinter verschlossenen Türen, verborgen vor den prüfenden Augen und Köpfen der Öffentlichkeit, stattfinden darf.

Don Dahlmann dazu:
Ich bin ja eigentlich auch eher so ein bürgerlicher Sozial-Liberaler. Ich denke, der Staat soll sich aus meinem Leben weitesgehend raushalten. Ich zahle meine Steuern, halte mich an die Gesetze und ansonsten hätte ich gerne, dass der Staat sich um seine staatliche Dinge kümmert und schaut, das da alles vernünftig läuft. Ich habe aber seit einigen Jahren das Gefühl, dass es genau andersrum läuft. Der Staat interessiert sich zunehmen für das, was ich so mache, während er in anderen Bereichen überhaupt nicht mehr präsent ist.

Und vor allem Johnny Haessler dazu (besonders die Fußnote):
Und da ich selten so viele arrogante und pöbelnde Mails erhalten habe wie zu meinen Artikeln über die Piratenpartei (bis hin zu Aufforderungen, die Artikel zu ändern): Bitte, liebe Freunde der Piratenpartei, ich verstehe, wie schwer es ist, sich mit etwas komplizierteren Geschichten auseinanderzusetzen, wenn man sich doch gerade so darüber freut, endlich einen politischen Hafen gefunden zu haben, der ob seiner Übersichtlichkeit scheinbar so einfach zu verstehen ist. Nur ist meine Welt nicht ganz so übersichtlich und besteht auch nicht allein aus dem Internet. Nochmal: Die Piratenpartei könnte eine Zukunft haben. Dafür darf sie aber vor der Gegenwart nicht die Augen verschließen. Und was den oft geforderten Welpenschutz angeht: Ich soll der Partei bei so komplexen Themen wie Urheberrecht, Patenten und Datenschutz in ihrer Kompetenz und Expertise vertrauen und sie für voll nehmen, bei weit klarereren innerparteilichen Herausforderungen aber „ein Auge zudrücken“? Nö.

Man sollte nicht derart dumm und laut mit den Säbeln rasseln, wie es da z.Zt. der Kindergarten-Flügel der Piratenpartei praktiziert. Natürlich wäre es wünschenswert und dringend nötig, dass es in Deutschland eine demokratisch wählbare, politische Opposition gäbe, die sich gut mit dem kulturellen Wandel und den Gefahren auskennt, den die Digitalisierung unserer Gesellschaft mit sich bringt. Eine Opposition, die dieses Auskennen auch adäquat in die Politik tragen kann, sich über Medienwirkung und Agenda-Setting bewusst ist. Mein Eindruck von der Piratenpartei auf der Demonstration in Berlin gegen Netzsperren, die von den Piraten organisiert wurde, war jedoch sehr ernüchternd, was diesen Wunsch angeht.

Aber ich sehe einen Silberstreif am Horizont! Denn (Achtung Werbung!) Horst Schlämmer kandiert für die Bundestagswahl. Ist doch ne gute Alternative zur Piratenpartei, oder?
 






TRISTESSE DELUXE

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