In der letzen Folge von Fringe erklärt der wirre Dr. Walter Bishop der schönen Agentin Olivia Dunham, dass unsere vermeintliche Wahrnehmung des Lebens als Linearität trügerisch sei und stattdessen man das Leben als Multidimension denken muss. Erlebe man ein Déjà-vu, sei das ein kurzer Einblick, ein vager Schatten der eigenen Existenz in einer Paralleldimension. Die Mischung aus "Twilightzone", "Akte X" und CSI-Grenzwissenschaften macht "Fringe" für mich einigermaßen erträglich, obwohl es ansonsten eine von amerikanischen Konservatismen durchdrungene FOX-Serie ist.

Eine Art Déjà-vu hatte ich heute, als ich folgenden Kurzfilm (über das Blog von The Junction) sah, denn wahrscheinlich wäre ich in einer Parallelwelt wohl europäischer Ethnologe geworden (damals noch NC-frei) und würde jetzt kleine Web-Dokumentarfilme über die modernen Stämme europäischer Metropolen drehen:



Dieser Kurzfilm THE LOST TRIBES OF NEW YORK CITY von Carolyn und Andy London zeigt animierte Objekte in den Straßen New Yorks, die Interviews über ihr Leben im Melting Pot geben. Auf humorvolle Weise werden die Gegenstände zu Gesichern. Typen verschiedener Ethnien und der immer wiederkehrende Mythos von New York als dem Prototyp des Amerikanischen Multikulturalismus wird konterkariert. Carolyn und Andy London sind Kultur- und Stadtantrophologen, sie gründeten 1999 ihre eigene Produktionsfirma ‘London Squared Productions‘.

Andererseits, vielleicht ist die Auseinandersetzung mit Blicken in Pipilotti Rists ca. 12-minütigem Videokunstkollage Entslastlungen AKA Pipilolottis Fehler (1988) in einer Paralleldimension auch nichts weiter als eine Internettheorie:
"I see. You see. I see you seeing. You see me seeing. I want to show what I see. You want to show what you see. Nirvana in the rose garden".
 




# Eben gerade war da wieder der unförmige, nackte Mann auf dem Balkon im ersten Stock in der Dingensstraße, den ich sonst nur wahrnehme, wenn ich schon viel zu trunken und deswegen das alles als einen bösen Traum, der dann aber wohl doch nie ein Traum war, mir aber deswegen tagsüber immer noch traumatisch in den Alltag nachhängt als vages Gefühl, wenn ich da lang muss und will. Die blasse, nächtliche Erinnerung der Dinge die ich sah, sagte und verlor. Egal ob morgens in Eile auf dem Rad zum Büro, mit den lästigen Einkäufen zurück, oder mit dem Kinderwagen dahin, wo das Paradies für kleine, tanzende und singende Mädchen ist: "Bin ich das jetzt, oder war da irgendwie vorhin ein unförmiger, nackter Mann, oder so, oder wie?"

# Als ich gerade meine Straße runterkam, zwei vehemente Eindrücke kurz hintereinander, danach ein dritter Eindruck, über den ich mich freue, über den ich aber ebenso umso irritierter bin. Also: Mein Blick traditionell nach links gewandt, zur lahmen Stammkneipe. Erstens gut, dass um halb drei überhaupt noch offen. Zweitens gut, noch Stühle draußen (mit Leuten drauf!). Drinnen dann die übliche tote Hose, das Stammpublikum (heimliche Kiffer und PR-Strategen). Dann nach rechts mein Blick in diese Familienküche im Parterre, wo immer jemand ist, und wenn da keiner ist zumindest ein Laptop auf dem Küchentisch laut surrt, Zeitungen, ein Sausen ein Browsen, Kleinkinder wahrscheinlich auch dort. Und in dem Moment, wo ich eben rein schielte - ein konzentrierter Vierer-Spieleabend mit Weisswein. Und wo ich mich doch sonst so gerne und überschwänglich über Spieleabende effauchieren kann, gerade eben in dem Moment war mir die Bar mit den einsamen Wölfen einfach ein kleines Stück weniger lieb, als das gemeinsame Kartenspiel der vier Weinkenner. Nur, natürlich, einladen hätte man sich da nun auch nicht mehr können.

# Weiter meines Weges dann Drittens: Noch den beiden oben ausgeführten Eindrücken und der daraus folgenden, eventuell möglichen Erkenntnis nachhängend, fuhr einige Meter vor mir unvermittelt ein Auto an, hupte kurz und der traurige Asiate winkte freudig und lange aus seinem Fenster dem Auto hinterher. Der traurige Asiate sitzt sonst immer und immer und zu jeder Zeit vor seinem Dell-Desktop-Rechner (den er auch tatsächlich auf dem Schreibtisch stehen hat). Immer hat er Licht an und sitzt vor seinem Rechner und dort codet er vor sich hin oder spielt World of Warcraft. Gegenüber von seinem Monitor steht ein spärlich gefülltes Regal mit IT-Büchern und so Tempelfigürchen aus der Heimat. Der traurige Asiate hat wohl auch ein Kind und eine Frau. Einmal sah ich ihn mit einem Jungen auf seinem Schoß und sie hatten gemeinsam Freude vor dem Dell-Rechner. Ich sehe den traurigen Asiaten immer versunken am Rechner. Immer Nachts, manchmal tagsüber. Aber da bin ich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Kurzum, komme ich nach Hause im Dunkeln, beim traurigen Asiaten ist noch Licht an und er sitzt da und macht Sachen am Computer. Der traurige Asiate wirkte gerade ungewohnt glücklich, wie er da aus seinem Fenster hing und dem Auto hinterher winkte. Er jubelte beinahe.

# Ich will grillen! Mit Freunden! Und jubelnd Autos hinterher winken!

# Es gibt immer irgendwo noch viel süßere Katzenfotos.
 




Michael Jackson sei tot, hörte ich gerade in der Bar. Das sei sogar schon auf Spiegel Online zu lesen. Daraufhin gab es noch einen weiteren kostenlosen Wodka für alle. Gute Bar. Als wir die Bar verließen, stolperte uns ein junger Mensch entgegen, ob wir schon gehört hätten, Michael Jackson sei gestorben. Ist ein wenig, wie mit dem Tod von Diana. Wenn Pop-Ikonen sterben. Diese Huh-Huh-Hüllen, dieses Agidprop der Popkultur, wenn die Blasen platzen und man viel spürt, aber auch nicht mehr bleibt als heisse Luft.

Daher erstmal dieses Video (Michael Jackson - Dirty Diana):



Damals hörte ich Musik noch im (oder auf dem) Walkman, auf dem Weg zur Schule. Das Album "Bad" habe ich das erste mal bewusst an einem Regentag morgens im Bus auf dem Weg zur Schule gehört. Von Schallplatte kopiert auf Kassette von einem Kumpel, ohne dass das damals schon in irgendeiner Weise urheberrechtlich problematisch war. Damals hatte ich so meine Zweifel mit Michael Jackson. War ja Pop. Ich stand irgendwie eher auf elektrische Gitarren. Doch in jenem Bus an jenem Regentag machte "Dirty Diana" sehr viel Sinn für mich. Erwachende Jungs-Sexualität auch, die da rein spielt. Und das bisschen Englisch, was ich verstand, erzählte von einer verletzten Seele, die sich zwischen Groupies und naja, sowas wie Heimat im Selbstzweifel mit der eigene Rolle als Superstar und eben jener verletzen Seele findet. Das konnte ich verstehen. Besonders die letzen Sekunden des Videos zeigen diese Leere zwischen Bühnenperformance und dem Wunsch nach Zurückgezogenheit. - - - Eben in der Retrospektiver des Videos fällt mir nur auf, dass die Nase damals schon ... und der Gitarrist sieht aus wie der eine vom Tokio Hotel. Trotzdem, diese schattigen Frauenbeine - in den 1980er war das für eine junge Jungenseele schon viel mehr, als man zu träumen vermochte.

Ganz anders gelagert war das dann schon vorher mit "Thriller" und mir und meinen Eltern. Als "Thiller" in der öffentlichrechtlichen Musiksendung "Formel Eins" Premiere im deutschen Fernsehen hatte, erlebte ich das erste mal TV-Zensur. Vormals war es mir immer irgendwie erlaubt, Fernsehen zu sehen. Musikvideos auf "Formel Eins", oder Serien am Abend, oder am Wochenende alles, was da so kam. Ich konnte in diesem Rahmen damals so gar nicht verstehen, warum ich diese Deutschlandpremiere von der Langfassung des Thriller-Videos im TV nicht beiwohnen durfte. Wahrscheinlich hatte mal wieder ein medienkompetenter Altschnösel bei "Die Zeit" dazwischengeschossen. Jedenfalls, ich durfte das Video nicht im Fernsehen sehen, sondern musste mir das dann über wenige Umwege auf VHS-Tape auf dem Schulhof besorgen. Aber schaut nochmal selber: Micheal Jackson - Thriller (Full version, 13 min). So fett krass war das nicht, um das so vehement zu verbieten. Für seine Zeit krass, aber verkraftbar, weil filmhistorisch nur noch Zitat einer Filmgattung, die in den 1980ern langsam in den subkulturellen Mainstream gedrungen war. Es war damals wie heute mit dem Internet und den Politikern. Wir, als 12-Jährige hatten Zombies schon längst als Geisterbahn-Kunstfiguren und populärkulturelle Kommunikationsmetapher verstanden. Für unsere Eltern waren Scheintote aber noch gar nicht abbildbar. Ich nehme das meinen Eltern nicht übel. Was ich ihnen aber übel nehme ist, dass sie mir in ähnlicher Zeit verboten haben, "Traumschiff" zu sehen ("Das sind da alles Zombies, schlimm, schlimm").

Das war's dann auch schon von mir und Michael Jackson. Zu dem ganzen Kinderfickerkram kann ich nichts sagen. Drogen und Macht und Naivität und Jugendstarrsinn sind ein schwieriges Gefüge. Gerade erst heute musste ich wieder drei Müttern auf dem Spielplatz bei ihrem lautstarken Gespräch zuhören: Sie sprachen über das Fernseh-Casting ihrer Kleinkinder, was sie gerade hinter sich hatten. Medienhuren.
 




# Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Ich will mich auch nur kurz melden, denn es gibt nicht viel Neues. Heute z.B. wieder Bett, Kita, Büro, Kita, Wohnung, Apotheke, Bioladen, Spieli, Küche, Sofa, Bett. Das mag nach Alltagstrott klingen, bin aber sehr froh mit dem Tag. Wir sind alle etwas verschnupft.

# Letzte Woche war Urlaub. Da, wo wir hin wollten, waren die 44. Bukower Rosentage. Keine Unterkunft mehr frei und wenn man da auf das Programm schaut, nun ja. Haben uns dann entschieden - beide erleichtert - dass irgendwann einmal nachzuholen.

# Viel Arbeit am Selbst. Mir schicken zur Zeit einige Freunde, Kollegen und Verwandte ganz tolle E-Mails, in dem sie über ihr Bild von mir berichten. Das ist erstaunlich, wo es klare Überscheidungen zwischen Fremdbild und Selbstbild gibt und an welchen Stellen es Lücken in meiner Selbstwahrnehmung gibt.

# Heute wurde ich von einer britischen PR-Agentur für Online-Buzz und Viraldings angeschrieben. Die machen gerade Online-Marketing für einen aktuellen Roboter-Actionfilm. Jedenfalls würden die gerne, dass ich hier einen Link veröffentliche, auf dem man dann ein "Augmented Reality" Programm sehen kann. Mit der Sache wäre es dann möglich, mit Hilfe einer Webcam, eine Robotermaske auf sein eigenes Gesicht zu setzen. Außerdem kann man mit der Webcam ein Zielobjekt auswählen und dann einen Roboter darauf "herumlaufen" lassen. Das solle alles einen Riesenspaß machen und es lohne sich auf jeden Fall, da mal reinzugucken, so der Kollege von der Insel. Und vielleicht interessiere sowas ja auch meine Blogleser. Interessiert Euch sowas? Da wir uns ja gerade in Zeiten befinden, in denen ein Trend zur Internetinhaltekontrolle vorherrscht, erspare ich Euch mal den Buzz-Link. Ich hab's mir kurz angeschaut, ich glaube, das MUSS ich euch einfach vorenthalten.

# Apropos virale Mundpropaganda. Ich bin dabei mir ein iPhone 3G zu besorgen. Das N95 nervt mich.
 




Mütter wissen mehr von einem, als man immer so denkt (Respekt).
 





Photo uploaded by tristessedeluxe.

Heute wurde vom Deutschen Bundestag offiziell die Internetzensur in Deutschland beschlossen und damit der 5. Artikel des Grundgesetzes verletzt. Jetzt bin ich ziemlich politikverdrossen.


 




:::: gesehen am 14.6.09 auf pro7

Großbritannien / USA 2005 - Regie: Garth Jennings - mit: Martin Freeman, Sam Rockwell, Mos Def, Zooey Deschanel, John Malkovich, Stephen Fry, Alan Rickman



Muss man eigentlich nicht viele Worte drüber verlieren, dass das Kult-Buch auf Wortwitz beruht, dass ein darauf folgendes Hörspiel auf Wortwitz beruht, dass eine billig produzierte BBC-TV-Serie keine großen Bild- und Spezialeffekte auffahren kann und deshalb sich auf den Wortwitz der Vorlage konzentrieren muss, und dass schließlich ein schicker Kinofilm von 2005 dann mit Effekten und Gedöns auf Slapstick statt auf Wortwitz setzt. Gegen die Ausbeutung seiner ureigenen popkulturellen Erinnerung kommt man wohl nur an, wenn man Verwertungsrechte sammelt.

Als vielleicht 10-Jähriger hatte ich zufällig die TV-Serie (UK, 1981) entdeckt. Die kam wohl irgendwann sonntagvormittags im Öffentlich-Rechtlichen, glaube ich. Das war ein unschlagbares, heimliches Vergnügen. Ähnlich zufällig hatte ich im selben Alter den Ramones-Film Rock 'n' Roll High School (USA, 1979) im Fernsehen gesehen. Früher barg das Fernsehen noch Wunder für mich. Das Schillern der Popkultur ähnlich dem Schillern des Benzins auf den Wasserpfützen meiner Kindheit.
 






Ach ja, der jüdische Humor. Das Thema habe ich ja auch etwas aus den Augen verloren, seitdem ich mich vor Jahren - noch im Rahmens meines Studiums - mal ausführlicher mit Formen des jüdischen Humors in der Sitcom "Seinfeld" beschäftigt hatte. Die Selbstironie, mit der eine Religion über sich selbst lachen kann, der Selbstzweifel, die Doppeldeutigkeiten, die Wortspiele ...

All das finde ich wieder auf der wunderbaren Seite Old Jews Telling Jokes. Dort erzählen, wie der Name es sagt, ältere Juden Witze. Nicht mehr, nicht weniger. Jede Woche ein neues kurzes Video. Man kann die Videos auch als Videopodcast abonnieren (schön für's iPhone z.B.).

(via)
 




Inspiriert von Bosch seiner Blogparade: Soundtrack seines Lebens (und weil ich gerade überhaupt nicht mit dem voran kommen, was ich eigentlich machen wollte) werd ich heute mal beginnen, ein wenig in meiner Musiksozialisation zu kramen. Ich denke, das ist nicht uninteressant und in lockerer Folge, kann man das durchaus mal machen.



Es begann mit Karel Gott in einem nicht wenig unbekannten Land aber dafür vor relativ langer Zeit. Von 1977 ist der Titelsong der Kinderserie "Die Biene Maja" und ich bin damit vermutlich mit fünf Jahren in Berührung gekommen. "Die Biene Maja - Folge 5" war meine allererste eigene Schallplatte. Schallplatte wohlgemerkt, denn CDs kamen meinen Eltern erst weit nach meinem Auszug Mitte/Ende der 1990ern ins Haus. Man wusste ja damals nicht, ob diese neumodische Technik sich durchsetzten würde. Folgerichtig haben meine Eltern auch bis heute noch keinen DVD-Player.

Meine Eltern hatten sich im Anschluss an oder zusammen mit einem Schwarzweiss-Fernseher von Blaupunkt Anfang der 1970er eine Kompaktanlage gekauft, die Radio und Schallplatten in Stereo spielen konnte. Das war seinerzeit ein ganz schickes Ding, weiss-schwarzes Design, Rauchglasabdeckung aus Plastik, abgerundete Ecken angelehnt an so Klassiker von Braun mit zehn berührungsempfindlichen Senderstationstasten. Für die damalige Zeit ein Novum: eine Schaltung basierend auf Sensoren, die nicht auf Druck, sondern auf Berührung reagierten! In Miniatur heute perfektioniert in Touchscreens vorzufinden. Und ja, man konnte die Stationstasten auch mit einem befeuchteten Wattestäbchen bedienen.

Auf dieser Radio-Schallplatteneinheit lernte ich also die Kunst des halbautomatischen Schallplattenspielens. Die Tonträgersammlung meiner Eltern war nicht sonderlich interessant für einen Fünfjährigen. Als Erstgeborener war ich folglich umso glücklicher, meine erste eigene Kinder-LP geschenkt zu bekommen. Auf der Scheibe war die Tonspur der TV-Serie, also die Folgen "Wie die Grille befreit wurde" und "Max wird operiert" auf Seite 1 und "Maja und die kleine Raupe" sowie "Die Fahrt in der Limonadenflasche" auf Seite 2. Vorneweg trällerte Karel Gott immer das Biene-Maja-Lied und als ich der Hörspiele statt wurde, habe ich lediglich immer und immer wieder die Titelmelodie gespielt. Ich erinnere mich, dass dadurch ganz zuletzt auch ein Sprung in der Schallplatte gekommen war, sodass lediglich der sich wiederholende Loop von Karl Gotts gesungenem "Maaaaja *knack* Maaaaja *knack* Maaaaja *knack* ..." für einige Tage meine Kindheit vertonte. Die rechte Lautsprecherbox der Anlage gab, so ich mich recht erinnern kann, schon in den frühen 1980ern den Geist auf.


Die Biene Maja (5), Produktionsjahr 1977
 





Am 13.6.2009 startet eine neue Webisode auf Myspace: Die Prenzlbasher.

Sechs Pseudoaktivisten haben sich über ein Weblog zusammengefunden, um gegen die Verspießerung des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg zu kämpfen. Die Kampfansage gilt den Bio-Muttis, den Luxuskarren aus Stuttgart und auch ein wenig der Digitalen Bohème: Geht zurück wo ihr her gekommen seid. Doch im Kampf gegen die Gentrifizierung übersehen die Aktivisten, dass sie auch ein Teil des Übels sind.

Folgend der Pilot der Webisode:
Prenzlbasher Pilot


Ich weise deswegen darauf hin, weil ein Bekannter hat's gemacht, und ich musste eben beim Sehen tatsächlich zwei-dreimal über die Dialoge schmunzeln. Könnte gut werden.

Überhaupt, Webisodes und Mobisodes! Damit müsste ich mich ja eigentlich auch mal etwas mehr beschäftigen. Doch jedes mal, wenn ich wieder so eine Sache sichte, schüttelt es mich. Meistens fand ich eher miese Produktionsqualität, miese Dialoge, miese Schauspieler. Mich erinnert das dann alles zu sehr an diese Serien im Offenen Kanal. Und auch das Themenspektrum - ach - schrecklich, schrecklich, schrecklich. Ich hab mich jedenfalls noch nie so recht als Zielgruppe einer Webisode gefühlt. Wie seht ihr das? Was gibt's denn da so eigentlich alles seit den letzen drei Jahren nach Lonely Girl 15? Das letzte, was ich mir ein wenig angesehen hab ist Candy Girls. Was für Webisodes oder auch Mobisodes sind denn sonst noch so für +25 gemacht und zu empfehlen?
 




:::: vorhin gesehen auf RTL

(The Interpreter) USA, UK, Frankreich 2005 - Regie: Sydney Pollack - mit: Nicole Kidman, Sean Penn, u.a.



Thriller um Nicole Kidman, die als Dolmetscherin bei der UNO arbeitet und zufällig ein Gespräch über ein geplantes, politisches Attentates mithört. Sean Penn als Security-Mann und frischer Witwer ermittelt gegen sie. Zunächst glaubt er ihr nicht, am Ende der Hauch einer Romanze zwischen Opfer und Beschützer.

Ich persönlich finde so etwas ja für Sonntagabend spannender als Tatort. Mehr Spannungsbogen, mehr Gefühlskino, mehr Weltthema. Auch nach unserem Erlebnis in der S-Bahn passte die zugrundeliegende Dialektik des Films "Waffengewalt vs. diplomatische Worte" gut. Aus der Wikipedia zum Film noch Wissenswertes, worüber wir uns beim Sehen auch Gedanken gemacht haben: Es ist der erste Film, der innerhalb des Hauptsitzes der Vereinten Nationen, darunter im Saal der Generalversammlung, gedreht werden konnte. Und: Für ihre Rolle in diesem Film lernte Nicole Kidman Flöte spielen und Vespa fahren. Schönstes Zitat: Nicole: "Wussten Sie, dass die häufigste Todesursache bei Bibern umstürzende Bäume sind?" Sean: "Ja, das wusste ich."
 




Zivilcourage

Heute in der S-Bahn auf der Fahrt in den Wald geschah jene Situation, von der immer gesprochen wird im Zusammenhang mit Zivilcourage, und von der man hofft, nie hinein zu geraten. Bei der Einfahrt in den S-Bhf. Zehlendorf schubste plötzlich ein jüngerer Mann einen älteren Herren so stark um, dass dieser umfiel und sich den Kopf stieß. Der ältere Herr war ganz ruhig, Schrecksekunde. Aber auch alle anderen Passagiere im Wagen verharrten in vagotoner Schockphase. Der Ältere stieg aus, der Jüngere ihm hinterher bis an die Tür. Dort standen sie sich noch machthaberisch solange gegenüber bis der Zug losfuhr. Schweigen im Zug, alle starrten weg, der Arsch setzte sich dann wieder.

Keiner hat sich getraut, etwas zu sagen oder zu machen. Ich hab nicht mitbekommen, was die Ausgangssituation war. Ich war nur gelähmt. Meine Liebste nahm schließlich zwei Haltestellen später all ihren Mut zusammen, bat den Zugführer, den Zug nicht weiter fahren zu lassen und die Polizei zu verständigen. Es gab eine Argumentation, der Arsch kam hinzu und nach kurzem aggressiver Wortwechsel mit anderen hinzu kommenden Zeugen verpisste der Typ sich schließlich. Bei mir dauerte es noch eine Stunde, bis das Adrenalin im Körper wieder runter war und ich an was anderes denken konnte. Es war zum Glück nur ein aggressives Geschubse, keine Fäuste, keine Waffen. Das Opfer wirkte auch nicht verletzt. Trotzdem extrem uncool.

Seid ihr auch schon mal in solche Situationen geraten? Wie habt ihr da gehandelt? Was für Methoden zur Deeskalation gibt es in solchen Fällen? Ich glaube, ich möchte demnächst mal ein Deeskalationstraining machen. Mag wer mitkommen?
 




:::: gesehen am 6.6.2009

Frankreich 2007 - Regie: Franck Vestiel - mit: Clovis Cornillac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj



Dunkelheit, Schlamm und ein Mensch. Keine Höhle, sondern ganz tief, unterirdisch in einer zerstörten Laboranlage wacht die Hauptfigur ohne Erinnerung auf. Er will zurück an die Erdoberfläche. Leichen, monströse Zombies, Computerlogbücher und einige wenige Überlebende zeugen auf seinem Weg von einem katastrophalen Bio-Experiment in einer technoiden Zukunftswelt.

Ein wenig Platons Höhlengleichnis als Grusel-SciFi, ein wenig Garten Eden und ein Baum der Erkenntnis. Der Film hat mich überrascht, verwirrt und gefesselt. Ein herrlich dystopischer Science-Fiction. Mit relativ einfachen Effekten, Metaphorik und audiovisueller Detailliebe werden sehr verstörende Bildwelten geschaffen und eine packende Handlung erzählt, die der Dramaturgie eines Computerspiels gleicht, nach oben an die Erdoberfläche strebt, aber an keinem Punkt vorhersehbar ist. Der Zuschauer weiss genau so wenig wie der Protagonist. Erst langsam fügen sich die Puzzleteile der Katastrophe zusammen. Und wenn man dann noch erfährt, dass das erst der Debütfilm des Regisseurs Franck Vestiel ist: Respekt.

Deutsche Homepage zum Film: www.edenlog.de
 






Ich finde es gut, dass es Momente gibt, in denen alle Erfahrung, die man in sechs Jahren Blogschreiben gesammelt hat, einfach nicht vorhanden scheinen und man immer wieder blindlings drauflos wüten kann. Hört einem ja sonst keiner zu, manchmal.
 




(EDIT, 4.6.09, 20:34) Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: In folgendem Text geht es mir nicht darum, den Event zu kritisieren, zu bewerten oder schlecht zu machen. Auch geht es nicht darum, jene, die Spass an Spieleabenden haben, zu beurteilen oder gar nieder zu machen. Ich gebe zu, manchmal lasse ich mich gern hinreißen, Negatives auf mein Umfeld zu projizieren, wo es im Kern natürlich um einen selber geht. Wer macht das nicht gelegentlich? Dieser Text hatte für mich gestern Nacht nur die Funktion, angestaute Luft abzulassen, weil ich nicht schlafen konnte und ich momentan sehr viel über meine ambivalente Haltung mir selbst gegenüber nachdenken muss. Es geht rein um mich und meine Haltung und um Veränderungen, an denen ich gerade arbeite. Vor diesem Hintergrund bitte ich diesen Text zu verstehen und nicht immer alles für bare Münze nehmen. So, jetzt locker weiter im Text.

Ich komme gerade von wo her, da wollte ich eigentlich gar nicht hin. Und ich hab eine gewisse Unmut im Bauch, dass ich mich doch wieder entgegen meines Willens breitschlagen lassen habe, da überhaupt hin zu gehen. Keine Anklage. Jeder soll ja in seiner Freizeit machen was er will. Und eines der verwunderlichen Argumente für den Abend war ja auch "unter Leute kommen". Das kann ich an sich ganz gut immer überall. Herrscht bei mir subjektiv jetzt auch kein Mangel vor. Eher umgekehrt, ich wäre ganz gern mal mehr unter mir momentan. Im Zweifelsfall ist man ja auch in der U-Bahn unter Leuten.

Das Berliner Filmtablequiz hat sich unter einigen mir besser, locker und überhaupt nicht bekannten Twitterern als spassig etabliert. So kam ich heute auch mal dazu: mal schauen, was das überhaupt ist, Bierchen trinken und bisschen mit nicht-vorhandenem Filmwissen aus dem Studium der Filmwissenschaft scheitern. Und das ist auch alles spassig, wenn man gerne Spiele spielt und sich auch ansonsten gern in prüfungsähnliche Situationen begibt.

Ich hasse Spieleabende, weil ich Wettkämpfe nicht leiden kann, ich nicht gerne Strategien plane, ich Roleplay nicht mag und den Zufall als tragendes Handlungselement in meinem Leben nicht akzeptiere. Ich erlebe Spieleabende meist als immense Zeitverschwendung, ich lerne kaum etwas. Wenig über mich noch weiger über die Mitspieler. Mein Spassempfinden reduziert sich auf Knabberkram. Spiele sind Rituale, gemeinschaftsbildend und damit verbindend. Klar. Ich fühl mich danach meist nur leer und habe nichts gespürt. Das mag angenehmer Zeitvertreib sein, für mich sind Spieleabende die Klowände der Zeit.

Von ca. 30 Teams habe wir als Team "Pedobär" den 4. Platz gemacht (irgendwie musste man da was eintragen in so ein Feld "Teamname" und Plom ist dann der Pedobear eingefallen und ich hab das dann aus Tüddel etwas verfremdet auf den Zettel geschrieben). Gewonnen haben wir vor allem wegen dem lexikalischen und emotionalem Filmwissen von @thetruemilhouse und @plomlompom. @mspro hat seiniges dazu getan und ich habe als Schriftführer die Sache kanalisiert und auf Papier gebündelt. Gewusst habe ich ziemlich nichts und das wusste ich schon vorher, denn derartiges Quizwissen merke ich mir nicht, interessiert mich nicht. Meine Qualitäten sind da mal wirklich andere.

Kurz mal noch den Abend durchgerechnet, damit ich wenigstens etwas gelernt habe: Gezahlt hat jeder 5,- Euro Eintritt. Ca. 30 Teams mit im Schnitt 5 Leuten ergibt an der Abendkasse 750,- Euro. An der Kasse konnte man sich kostenlos eine Zitty mitnehmen. Also war das alles schon gleich ein verkapptes Zitty-Promo-Ding mit Eintritt. Für mich kein Argument, dass wegen der kostenlosen Zeitschrift der Eintritt nur 1,80 gekostet hätte. Erstens, ich wollte keine Zitty, zweitens steigern kostenlose Exemplare die Auflage, fließen folglich in die Mediadaten ein, steigern schließlich die Preise für Anzeigenplätze. Fünf Euro sind kein Ding an sich, wenn was geboten wird. Für so ein halboffizielles Zitty-Promo-Ding an sich aber auf den ersten Blick schon erstmal etwas naja. Dann noch Theke: Beck's für 3,- also, jeder von den 150 Leuten vielleicht 2-3 Getränke - also zwischen 900,- und 1350,- Umsatz an Getränken. Wenn's gut läuft also ein runder 2500,- Abend. Sind keine Millionenumsätze, muss man fair bleiben. Ich bin für 5,- Euro Eintritt und 3 Getränke einfach schon besser auf meine Kosten gekommen. Und wenn ich mir einfach einen Film in Kino angesehen hätte.
 






TRISTESSE DELUXE

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