:::: gesehen am 18.1.2008 auf dem festvial for film and video art asian hot shots berlin

Philippinen (1976/77), R: Kidlat Tahimik, 93 min, OmdU


Das war ja dann wohl ein Fehlalarm, als die Hebamme am Donnerstag behauptete, das sie damit rechne, innerhalb der nächsten zwei Tage würde es losgehen. Jetzt ist Sonntagabend und wir sind immer noch Kinder. Die letzten Tage eine positive Nervösität, wie vor einer großen Reise. Inzwischen wieder auf dem Weg zurück zu Ausgeglichenheit und so etwas wie innerer Ruhe. Das war am Freitag alles anders, Arbeit half auch nicht wirklich. Also der Griff zu einem alten, hausbewährtem Rezept: Irgendeinen Film schauen, möglichst unvorbereitet ins Kino gehen, um den Kopf ruhig zu stellen. Die Entscheidung wurde zunächst aus zeitlichen Gründen gefällt, aber auch die kurze Inhaltsbeschreibung versprach, genug verkünstelte Kinolast:

"Perfumed Nightmare" ist ein halbbiografischer Film von Kidlat Tahimik. In die magisch-realistische Anlage des Dokudramas mischen sich ironische Sozialkritik mit Widerhaken, verschrobene Phantasien, bizarrer Humor, symbolische Metaphern und asiatisch-mythologisches Elemente.
( Festivalprogramm)

Nicht so'n Schischi-Hollywood, sondern was, wo man hinsehen und mitdenken muss. Abgesehen davon, dass in dem Film auch eine Geburt vorkommt, insgesamt genau richtig, um abzudämpfen, was da kommen mag, wann es will...

Wie es so ist mit halb-autobiografischem Kunstkino, man kann schlecht erzählen, was man da eigentlich angesehen hat. Flickert halt assoziativ vor sich hin mit mehr oder weniger wirksamen Hooks. Wenn's gut ist, nimmt's einen mit auf eine persönliche Reise ins Sonstwohin. Mich hat es mitgenommen. Der Film lief 1997 auf der Berlinale im Forum des jungen Films, hat da auch den Kritikerpreis gewonnen. Ich selbst fand schön, mal Bilder aus aus der Zeit, wo ich noch klein war, von den Philippinen zu sehen. Auch die Ironie mit dem der cultural gap zwischen der Kindheit und Jugend in einem philippinischem Dorf und der Sehnsucht nach der Modernität eines fernen Amerika. Zur Hälfte des Films gelingt dem Protagonisten dann auch als erster seines Dorfes, in den Westen zu fliegen. Sehr kreative Stückelung von Film- und Medienmaterialien, Welten, Riten, Gedanken und Stilen. Die alten US-Army Jeeps wurden von den Philippinen ähnlich kreativ zu Neuwagen und Trägermedium für Gesellschaftswandel umfunktioniert.

Wenn ich mal groß bin, will ich diese interessanten Texte zu dem Film lesen und verstehen:
  • Journal of Religion and Film: "Perfumed Nightmare and Negative Experiences of Contrast: Third Cinema as Filmic Interpretation of Schillebeeck" von Antonio Sison, Vol. 6 No. 1 April 2002
  • "Perfumed Nightmare", aus: "Cross-Cultural Film Guide", von: Patricia Aufderheide, 1992
  • Perfumed Nightmare on Film Forno Blog
  • "Almost 30 years later, Kidlat Tahimik's "Perfumed Nightmare" remains an unlikely masterpiece", von Max Goldberg, 18. Mai 2006

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    ::: gesehen am 12.1.08 auf arte

    USA 2003 / Regie: Wayne Kramer / mit William H. Macy, Maria Bello, Alec Baldwin, u.a.



    Liebesfilme mit Verlierern sind meistens toll. So auch dieser Film aus der Post-New-Hollywood Zeit, wo man noch hoffte, dass die guten Kinojahre der 1990ern sich auch ins neue Jahrtausend retten mögen. Ich glaube nicht, dass es mir nur so geht, aber Hollywood hat abgenommen. Zum Glück kann man an Zyklen glauben oder auf Wellen hoffen. Das wird alles schon wieder. Ähnlich geht es ja auch hier unserem Protagonisten:

    Als sogenannter "Cooler" arbeitet Bernie im Casino seines Freundes Shelly. Wobei "Freund" vielleicht nicht die geeignete Bezeichnung ist, denn zwar verbindet die beiden eine gemeinsame Vergangenheit, aber nicht nur erfüllt Bernie seinen Job nicht nur aus einem übertriebenen Pflichtgefühl heraus - ganz nebenbei arbeitet er auch über Jahre hinweg einen immensen Schuldenberg bei dem altmodischen, aber unerbittlichen Casino-Chef ab. Dadurch, daß Bernie aber immer nur vom Pech verfolgt ist und auch keinerlei Freunde hat, ist Shelly für ihn der einzige Vertraute - unabhängig davon, daß er ihm mal die Kniescheibe mit einem Baseballschläger zertrümmert hat.
    Im Casino arbeitet auch die Serviererin Natalie, bei der der unscheinbare und unerfahrene Bernie niemals eine Chance hätte. Sie kann sich nicht einmal seinen Namen merken. Als jedoch ein Casinokunde Natalie gegenüber handgreiflich wird und Bernie seine besondere Gabe wie einen Racheakt einsetzt, lächelt ihn Natalie erstmals an. Schon bald entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebe zwischen den beiden. "Pech im Spiel, Glück in der Liebe", mag man denken, doch bei Bernie tritt nun auch ein, dass er seinem Job als Pechvogel nicht mehr gerecht wird. Zufrieden, voller Selbstwertgefühl und so glücklich wie nie zuvor verursacht er plötzlich Rekordgewinne im Casino. Shellys Verluste gehen in die Millionen - und er gönnt seinem alten Freund das bißchen Liebesglück auf seine Kosten so gar nicht. Als dann auch noch Bernies missratener Sohn Mikey mit dessen offenbar schwangeren (und verkoksten) Freundin auftauchen, die nicht nur den Vater ausnehmen, sondern mit gezinkten Würfeln auch noch das Casino betrügen wollen, ist Shellys Geduld am Ende und es kracht.

    Das schöne an diesem Film ist neben der detailverliebten Darstellung einer gealterten, abgetakelten Las-Vegas-Illusion die Dynamik zwischen Gewalt und Liebe. Da werden Liebesszenen, die in anderen Rahmungen vielleicht kitschig wirken würden, eingebettet in eine wenn nicht raue, so doch muffige Realität. Und natürlich die Emanzipation der Hauptfigur vom Abhängigkeitsverhältnis im Job und des immer gleichen, resignierten Lebens weg zu einem neuen Leben in dem Glück und Hoffnung das Ruder steuern.

    Yeah! Schon ziemlich kitschig am Ende. Aber schön.

    Und sonst so...?
    erster Sonnenaufgang in diesem Jahr# Babykommode endlich gekauft, zu teuer, aber was soll's. Muss jetzt alles langsam mal werden.

    # C. aus Iowa noch getroffen, lange aus gewesen, bis ziemlich früh. Dann ersten Sonnenaufgang in diesem Jahr fotografiert.

    # Kaffeekränzchen. Hahn im Korb mit Kater.
     




    Die Prophezeiungen von Celestine



    Der letzte Film, den ich auf Kinoarbeit gesehen habe am 30.12.07. Letzte Schicht, schnell noch ein Bier zum Mitarbeiterpreis und kostenlosen New-Age-Film. Interesse daran hatte ich, weil sich mehrfach Zuschauer beschwert hatten und das Kino verlassen haben, weil dieser Film vollkommen nicht ihren Erwartungen entsprochen hätte. Ich selbst hatte vorab nur äußerst miese Synchrondialoge mitbekommen und Bildwelten, die denen des "Wachturms" glichen.

    Der Film ist eine US-amerikanische Verfilmung des Buchs "Die Prophezeiungen von Celestine", das in 1995 und 1996 die Nr. 1 der amerikanischen Bücher auf der weltweiten Bestseller-Liste war. James und Salle Redfield haben ihr Buch selber vermarktet, der Film nun wurde ebenfalls von den Redfields selbst produziert.

    Zum Inhalt:
    John Woodson hat einen Scheideweg in seinem Leben erreicht. Nachdem er seine Stelle als Geschichtslehrer am lokalen Gymnasium verloren hat, sieht er einer unsicheren Zukunft entgegen. Desillusioniert und zeitweilig orientierungslos steht er vor einer dramatischen und einschneidenden Entwicklung in seinem Leben.

    John erhält einen Anruf von einer alten Freundin (Charlene), einer Journalistin, die sich gerade zu einem kurzen Zwischenstop auf dem Weg nach Peru in der Stadt aufhält, wo sie eine Geschichte verfolgt. Bei einem gemeinsamen Abendessen erzählt sie ihm, dass sie nicht aufhören konnte an ihn zu denken während sie sich zu Besuch an einem wunderschönen Retreat namens Viciente aufhielt. In dieser Anlage war eine engagierte Gruppe von Leuten mit dem Studium einer bestimmten Anzahl antiker Manuskripte beschäftigt. Dort hatte sie einen Priester namens Vater Jose getroffen der ihr mitteilte, dass diese Schriften eine Prophezeiung enthielten, die vor Christi Geburt niedergeschrieben wurde. Die Schriften bestünden aus 9 Erkenntnissen, vorhersehend dass es eine Zeit geben würde, in welcher die Gewalttätigkeit und Unrast in der Welt zu einem neuen Erwachen führt. Dieses Erwachen würde aus allen religiösen Traditionen kommen und zu mehr Menschlichkeit und tieferer Spiritualität führen. Es würde eine Umorientierung in den Kulturen und Menschen des 21. Jahrhunderts bewirken. Und diese Zeit wäre JETZT. Charlene erzählt ihm weiter, dass sie aus irgendeinem Grund das Gefühl hat, dass er nach Peru gehen sollte, um sich selber davon zu überzeugen.
    (www.celestinederfilm.de)

    Es folgt eine Erlösungs-Story, die schön seichtes Zusammengeklittere von Weltreligionen, New-Age Ideologie, Meditation und ziemlich paradiesisch-kitschigen Bildwelten ist. Dazu auf der Tonebene alles zugepappt mit esoterischer Entspannungsmusik. Kurz: der Stoff aus dem Sekten gemacht sind. Ich bin ja durchaus Freund des sonderlichen Films, einen solchen Trash von der anderen Seite ist mir aber noch nicht untergekommen. Aber gut, jeder was er will. Der Handlung war äußerst leicht zu folgen, die Filmsprache lullte mich ein - genug Hirnkapazitäten also frei, um die letzten 13 Monate meiner Arbeit in diesem Kino noch mal Revue passieren zu lassen. Und in gewisser Weise hat mir der Film damit auch geholfen, mit dem Job als Filmvorführer abzuschließen.

    Didi, der Doppelgänger

    Deutschland 1983



    Bevor es losging in den Silvesterabend kam Didi, der Doppelgänger irgendwo im Fernsehen. Den Film hatte ich als Kind sogar im Kino gesehen. Fand ich super, damals. Besonders die Sequenz am Ende, mit der Verfolgungsjagd BMX-Rad (Didi) vs. Citroen (Gansgter). Retrospektiv aber ziemlich albern und doch sehr verwunderlich, wie sich so der eigene Filmgeschmack ändert über die Jahre.

    Die Wurzeln des Himmels

    The Roots of Heaven, USA 1958, Regie: John Huston



    Erster Film im neuen Jahr. Am 1.1.08 auf arte:
    Es ist ein einsamer Kampf, dem sich Fanatiker Morel (Trevor Howard) verschrieben hat: Der Tierschützer will die Ausrottung der afrikanischen Elefanten durch Wilderer verhindern. Hilfe erhält er nur durch die Hure Minna (Juliette Gréco) und den Säufer Forsythe (Errol Flynn). Ein Reporter (Orson Welles) sorgt zwar für größere Aufmerksamkeit, aber ständig werden Morels Mühen torpediert…
    War mit ganz vielen tollen Elefanten. Und irgendwie hat mich das an meine Eltern erinnert. Bin aber immer eingedöst.

    keinOHRhase



    Gesehen am 3.1.08 im Filmpalast. War lustig. Leicht bekömmlich. Mit dem Schweiger und der Tschirner. Und süßen Kindern. Alles in Hochglanzästhetik, aber okay. War lustig, ich hab gelacht. Und manchmal mag man sich ja auch so schöne Werbebilder-Menschenleben ansehen. Gerade wenn es so frostig-uckelig draußen ist.

    Nevada Smith (USA 1966)



    Gesehen am 4.1.08 auf ARD. Mal endlich wieder ein Western, der sich gelohnt hat: Halbblut Max (Steve McQueen) ist traumatisiert. Drei Killer (u. a. Karl Malden und Martin Landau) haben seine Eltern niedergemetzelt. Der junge Hitzkopf schwört Vergeltung, ist den Mördern jedoch noch nicht gewachsen. Waffenschmied Jonas (Brian Keith) macht das Greenhorn mit dem Handwerkszeug des Rächers bekannt: Max lernt schießen, trinken und pokern. Am Ende der Ausbildung schreitet er unter dem Namen Nevada Smith zur blutigen Tat.
    Die Bastardisierung eines jungen Mannes. Und wenn ein Western an Asphalt Cowboys erinnert, kann er gar nicht schlecht sein. Auch interessant beiläufigen die Ausführungen über die Schwierigkeiten der Pferdedressur von der Expertin neben mir.


     




    :::: gesehen am Sonntagabend auf pro7

    USA 2003 - Regie: Andrzej Bartkowiak - mit: Jet Li, DMX, Mark Dacascos, u.a.



    Etwa so wie da auf dem Bild oben hat für mich heute die letzte Woche vor Weihnachten angefangen. Rank und schlank in der Mitte stehend von muskelbepackten Problemen angegriffen. Im Büro der übliche Montagskram und die Praktikantin saß umständlich an meinem Rechner, obwohl genug Praktikantinnenrechner frei waren. Am Wochenende war Blogckseminar "Geburt und wie bedient man das Baby in den ersten 6 Monaten". Sehr aufschlussreich, aber auch sehr konkret. So konkret, dass die Dinge, die vor Weihnachten noch zu erledigen sein müssten, leider nicht weniger, sonder mehr werden. Zu der saisonalen Frage nach den Geschenken, und wann man die jetzt noch besorgen kann, kommt das mit dem auslaufenden Vertrag auf Kinoarbeit hinzu. Die letzten Tage ein ständiges Hin- und Her mit dem Gedanken, die Beschäftigung in dem Mistladen nicht weiter zu verlängern (trotz freundlicher Bitte vor einer Woche liegt immer noch keinem der Vorführer eine Vertragsverlängerung ab 1.1.08 vor). Nur eine der Unfähigkeiten der Geschäftsleitung, die in 3 Tagen bis Mitte Januar in Urlaub geht.

    Mit dem Babykurs ist aber die Erkenntnis deutlich gewachsen, dass ich mehr Zeit brauch, um den ganzen Spaß da mit den Windeln, dem Geschrei und so voll auskosten zu können. Gut, man braucht wohl auch Geld, aber die paar Euro zusätzlich lassen sich vielleicht bei Dussmann leichter verdienen. Oder gar in einem richtigen Job? Also, Entscheidung war klar: Zeit gewinnen für Baby und Suche nach richtigem Job.

    Das heißt aber auch: vor Silvester mal noch mal beim Arbeitsamt vorbeischauen. Muss sich ja lohnen, da im Kino auf Lohnsteuerkarte, kann man ja eventuell mal 2-3 Monate jetzt rund um den Babytermin frei machen, zwar bissle im richtigen Job arbeiten, aber halt Staatsknete... Fand's ne gute Idee, doch braucht man da ja einen Personalausweis. Auch später dann wegen Geburtsurkunde vom Baby und Sorgerecht und das Zeug. Ohne Perso kein Vater. Morgen also noch ins Rathaus schauen. Brauch man wohl auch aktuelle Passfotos für, und wo bekomme ich eine beglaubigte Geburtsurkunde von mir schnell noch her (denn Pass ist halt ja auch keiner da von mir). Und wo wir ja mit dem Auto über Weihnachten wegfahren wollen, wär’s eigentlich ja auch gut, den nicht vorhandenen Führerschein neu zu beantragen.

    Der Liebsten mit dem dicken Bauch habe ich versprochen jetzt immer vormittags den Pferdestall auszumisten. Ab diese Woche. Frische Landluft am Morgen, hmmm, besinnliche Zeit.

    Und was kostet die Babywelt? Zum Beispiel eine Kommode. Das Zeug von IKEA taucht nix, da will keiner ernsthaft ein Kind drauflegen. Das wackelt alles. Nachnamen der Mutter oder des Vaters? Stoffwindeln oder Pampers? Ökobilanz eines Babys. Überhaupt welcher Vorname!

    Naja. In all dem Gewirr im Kopf bin ich vorm Fernseher eingeschlafen und zu dem Film hier Born 2 Die wieder aufgewacht. Schöne Klammer eigentlich der Titel für all die Dinge die mich da gerade im ungefähren Bereich zwischen Geburt und Tod beschäftigen. Egal. Angesichts einer solchen Kopflast ist der Inhalt des Film nicht der Rede Wert: Hochprozentige Drinks, extra dunkle Sonnenbrillen, ausgepolsterte Miezen und große Patronen. Kleingangster rauben einen Safe aus und bekommen schwarze Diamanten in die Hände, die jedoch eine in Taiwan entwickelte neue Waffentechnologie sind: harmlos-transportables, waffenfähiges Uran. Klar: die kleinen Gangstern im Fadenkreuz von Geheimdienst, Terroristengangstern und internationalen Waffenhändlern in Designeranzügen... Kann ja nicht gut gehen, kommt auch noch die Komponente "Familie" mit rein, die Tochter des Ober-Kleingangsters wird als Druckmittel entführt. Aber ach, spannend eher nur die Actionsequenzen (kann man gut bei nachdenken). Wo die Action Pause macht, röchelt der Film vor sich hin.

    Jetzt aber schnell noch weiter Weihnachtsgeschenke downloaden.


     




    :::: gesehen am 3.12.2007 im Odeon

    USA 2007 - Regie: Ben Affleck; mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, Robert Wahlberg, u.a.



    Bin fremdgegangen. Mit der Liebsten. Um mal zu sehen, wie die Konkurrenz Filme vorführt: Werbung wird da im Odeon auf 1:1,66 statt 1:1,85 gezeigt und der Ton leiert auf dem Werbeprojektor. Der Film war medium ok. Je mehr ich drüber nachdenke, umso schlechter finde ich ihn. Daher bloß nicht länger drüber nachdenken. Krimis mag ich eigentlich nur dann, wenn der Herr Kommissar einen splienigen Touch, eine mehrschichtige Charakterzeichung hat. Hatte hier der Detektiv leider nicht. Und auch sonst alles so stereotyp am Rande des Sozialkritik-Kitsches. Und so didaktisch-moralisierend am Ende, weia! War halt medium ok, ich mag einfach diese kleinen amerikanischen Krimis nicht so. Hab ja auch meine Probleme mit dem Format „Tatort“.

    Hier zum Erinnern noch der Inhalt irgendwo her wegkopiert, wahrscheinlich Presseheft…:
    Boston, die Stadt der US-Pilgerväter und der Kennedys, tougher Cops und knallharter Gangster. Patrick Kenzie (Casey Affleck) und Angela Gennaro (Michelle Monaghan), privat wie beruflich ein Paar, verdienen ihren Lebensunterhalt als Privatdetektive. Da verschwindet die vierjährige Amanda aus ihrer Wohnung im Arbeiterviertel Dorchester. Spurlos und ohne Lösegeldforderung. Kenzie und Gennaro übernehmen auf Drängen von Amandas Tante Beatrice McCready (Amy Madigan) den Fall. Gemeinsam mit den Detectives Broussard (Ed Harris) und Poole (John Ashton) sucht das Duo nach dem Mädchen. Zum Ärger von Police Chief Jack Doyle (Morgan Freeman), der von Amateurermittlern nichts hält. Doch er muss bald seine Meinung ändern, denn Kenzie kennt sich aus in Dorchesters Unterwelt, er weiß sich zu bewegen und besitzt beste Kontakte. Bald stößt er auf erste Spuren. Die führen zum lokalen Drogenbaron Cheese (Edi Gathegi), für den Amandas süchtige Mutter Helene (Amy Ryan) immer wieder als Kurier arbeitete und die viel mehr weiß als sie zugeben will. Doch dies ist erst der Anfang einer erschreckenden Wahrheit, die niemand erahnen konnte...

    Danach regnete es und wir waren essen. Auf der Akazienstraße Gesprächsschnipsel aufgefangen - ein Homeboy zum anderen: „Ey Alder, was glaubst du denn? Ich bin doch nicht einfach so aus Spaß pleite…“ - ja, auch Schöneberg ein Ghetto.


     




    :::: gesehen am Montag im ICE auf der Rückfahrt von Wiesbaden

    Großbritannien/USA 2007 - Regie: Juan Carlos Fresnadillo



    In einem Monat ist Weihnachten auch schon wieder vorbei! Auf der Rückfahrt von Wiesbaden war mir etwas krank und langweilig und dieser Film war noch auf der Festplatte. Das Original zu diesem Turbo-Zombie-Sequal - 28 Days Later - kenn ich nicht. Ich vermute aber, das konnte man auch alles ohne den ersten Film verstehen.

    Keine Ahnung. Inhalt? Gut, kurz: Sechs Monate nach Ausbruch des verheerenden Rage-Virus in England hat die Armee die Infizierten Zombies ausgerottet und in London anfängliche Ordnung wiederhergestellt. Einer der ersten bei der Rückbesiedelung ist Don Harris (Robert Carlyle), der seine Frau Alice (Catherine McCormack) im Stich ließ, um sich vor den Zombiehorden zu retten. Als er mit seinen beiden Kindern, der Teenagerin Tammy (Imogen Poots) und dem 12-jährigen Andy (Mackintosh Muggleton) in die Sicherheitszone zieht, bricht das nun mutierte Virus erneut aus, denn die neue Trägerin der Seuche ist Alice. Ein Kuss wird zum Verhängnis.

    Das ist eigentlich alles. Viel krasses Blutgerinsel, viel Militärmacht, viel Rumgerenne durch London. Mir war das fast schon alles zu hektisch da der Horror und irgendwie fehlte mir so ein wenig der Subtext. Vielleicht war ich auch nur zu müde. Diederichsen hat da mal neulich was in der ZEIT drüber geschrieben - das klang schlau – über den Alien im Inneren, der Außerirdische Feind wird zum inneren Virus, und so. Ach, ich bin mir aber auch nicht sicher, ob das bei Diedrichsen auch alles immer so richtig durchdacht ist. Egal. Die eine Szene von der er schreibt, wo das Bürgerkriegs-Szenario überhand gewinnt und in mehreren Stadien von „kill the infected“ bis „kill everyone“ Zivilisten von Scharfschützen abgeknallt werden, das ist irritierend und kann in Richtung Ohmacht gegenüber dem neuen Terror gedeutet werden. Aber irgendswie ist das auch zu leicht so. War das mit den Zombies früher nicht auch alles immer psychoanalytisch und sexuell konotiert?

    Da hab ich mal irgendwo den Trailer (youtube) vor Monaten gesehen, fand den wohl ganz gut und jetzt sitz ich da mit so einem Film, wo ich vielleicht nun doch noch den 1. Teil sehen muss? Kommen da auch so tolle Verfolgungsjagden vor - Familienvolvo gegen Militärhubschrauber? Darum ging es nämlich viel eher: Patchworkfamilien im Spannungsfeld zwischen Biologie und Beruf! Die biologischen Eltern sind dem Virus einheim gefallen, die Kinder werden von Berufsoldaten (einer Biologin und einem Scharfschützen) vor der staatlichen Inneren Sicherheit geschützt. Oder so.

    Das Filmbild da oben habe ich von Peter Noster sein Blog geklaut, weil die Promo-Bilder von 20 Century Fox viel zu weichspühlerisch sind. Das ältere Ehepaar aus Dresden im ICE den Sitzplatz hinter mir, fand den Film auch ungewohnt blutig.


     




    :::: gesehen am 23.11.2007 auf Exground Filmfest

    Kanada, 2007, 80 min, Regie: Bruce McDonald, Darsteller: Ellen Page, Max McCabe-Lokos, Ari Cohen, Slim Twig, Julian Richings



    Es soll sich im Frühjahr zur Berlinale 2007 ertragen haben, dass eine gewisse Unruhe in diesem Film geherrscht hat und Leute scharenweise aus dem Kino gelaufen sind. Nicht wirklich nachvollziehbar, denn "The Tracey Fragments" nutzt die große Leinwand um im Multiscreen-Verfahren eine Filmhandlung zu fragmentieren, Perspektiven zu verschieben, Blickrichtungen des Zuschauers zu verwässern aber dadurch gleichzeitig diese zu öffnen für das wesentliche: Blicke, Innenwelten, Gefühle. Beim allgemeinen, gestressten Switching-Verhalten des Branchenpublikums auf der Berlinale kann man verstehen, dass dem überreizten Freunde der Filmkunst das zu viel werden kann. In Wiesbaden war man am Freitag dankbarer dem Film gegenüber, denn auf dem Exground Filmfest ist kaum einer raus gegangen.

    Zu Beginn sitzt die 15-jährige Tracey (fantastisch gespielt von Ellen Page) nur mit einem Duschvorhang bekleidet auf der Rückbank eines Busses und ist auf der Suche nach ihrem kleinen Bruder Sonny, der sich für einen Hund hält. Danach beginnt eine mitreißende Achterbahnfahrt durch die Fragmente der Geschichte dieser jugendlichen Heldin: Stress mit den Eltern, Erniedrigungen von Mitschülern, sinnlose Psychiaterbesuche, unerwiderte Verliebtheit und Flucht in eine Traumwelt. Traceys Versuch, ihren Bruder zu finden, wird jedoch zum realen Alptraum. Mit Splitscreen-Technik und einer nicht chronologischen Erzählstruktur gelingt es McDonald in seinem hervorragenden und mutigen Film, die Gefühlswelt des Mädchens zu spiegeln. (aus dem Exground Festivalkatalog)

    Es hat wahrscheinlich etwas mit Filmwahrnehmungs-Erfahrungen zu tun. Für mich stimmt das Timing, die Fragmente fügen sich zu einem herrlichen Bildteppich zusammen. Dann wenn eine Szene fokussiert wird, verschwinden die Einzelframes und auf der gesamten Leinwand ist – klassisch wie gewohnt – ein Bildausschnitt zu sehen. Die Hauptszene, auf die sich dann konzentriert wird. Spannend sind aber eben die beiläufigen Randmomente. Etwa die normalerweise in Schuss-Gegenschuss montierten Blicke zweier Personen finden sich gleichberechtigt nebeneinander und drüber und drunter findet auch noch jeweils ein Frame Platz, der die jeweilige Subjektive der Blicke zeigt. Manchmal – in den schönsten Momenten - fragmentiert sich so eine Filmszene ins Kubistische.

    Ansonsten, der Inhalt auch nicht von schlechten Eltern. Der 15-Jährigen da im Film wird ein bisschen viel zugemutet. Erstaunlich, dass sie sich nicht umbringt am Ende. Aber man darf den Film selber neu zusammen schneiden. Das gesamte Video-Footage steht unter Creative Commons und darf für Re-Fragmentierungen verwendet werden. Ich glaub, es steht da gerade sogar ein Wettbewerb aus. Mehr unter www.thetraceyfragments.com oder gleich direkt bei bittorrent.com wo die freundlichen Dateien zur Verfügung stehen.

    Hier noch Hintergrundinfos zum Re-Edit Projekt der Tracey Fragmente. Ich bin gespannt, was dabei rauskommen mag:

    The Tracey Fragments wurde im September 2007 auf Basis der Creative Commons Attribution im Internet zum Download freigegeben. Insgesamt stehen rund 16 Gigabyte an Filmmaterial zur Verfügung, welches Interessierte und kreative Köpfe über das BitTorrent Netzwerk herunterladen können. Es gibt insgesamt 4 ZIP Archive - eines für jede Drehwoche - welche Hunderte von Quicktime Clips (.mov) beinhalten, die wiederum später größtenteils in Form von einzelnen Fragmenten im finalen Schnitt verwendet worden sind.

    Anhand vom Rohmaterial kann man den Film von einer ganz anderen Seite und Perspektive kennen lernen und erlebt die Darsteller gleichzeitig hautnah bei den Dreharbeiten. Auch wenn die Datenmenge riesig ist, ist sie einen Blick wert. Bemerkenswert ist außerdem, dass das Team Tracey diesen Schritt getan hat, bevor der Film im Oktober beziehungsweise November 2007 überhaupt in Kanada und in den USA im Kino angelaufen ist. Dies ist wirklich einzigartig und Fans von Ellen und dem Film sollten diese Chance nutzen, wer weiß wann es wieder ein solches Projekt in der Independent Szene gibt.
    (Quelle: Ellen Page Fanseite)


     





    Photo uploaded by tristessedeluxe.

    ... viel zu spät, um über all die Filme der letzten Tage zu schreiben. Daher nur kurz:

    Still Life (von DVD gesehen neulich zum Einschlafen)
    Sehr gut gefallen hat mir das. Ruhige Einstellungen, langsame Schwenks. Raubbau an Natur und Heimat und Vergangenheit verknüpft zu einer traurigen Liebesgeschichte mit ungewisser Zukunft. Der Widerspruch im Begriff der "Einstürzenden Neubauten" auf chinesisch als Metapher für die Liebe der Beiden, sehr schön traurig.

    Seitenstraßen der Prostitution (auf Kinoarbeit)
    War ich wieder dran, schräge Filme vorzuführen. Schwarzweiss-Exploitation. Als Aufklärungsfilm gegen Geschlechstkrankheiten getarnter Softcore-Episoden-Film. Schön die 16mm-Handkamera, grausam die Selbstgefälligkeit der Narration.

    Hussle and Flow (heute im ICE nach Wiesbaden gesehen)
    Nachdem ich die Pflichtlektüre durch hatte - 2 deutsche Langkurzfilme, einer schrecklicher als der andere - dann im Zug noch das Debüt von Craig Brewer angesehen, dessen "Black Snake Moan" ich ja irgendwie ganz gut fand, auch wenn ich da nichts drüber mehr sagen kann. Hier nun "Hussle & Flow" ist dagegen sehr viel konventioneller inszeniert. Die Geschichte eines schwarzen Zuhälters, der seinen Traum von einer Hiphop-Karriere verfolgt einer bideren "Verwirkliche-deinen-Traum"-Dramaturgie. Schnittig gemacht, auch schicke Musik, aber für meinen Geschmack viel zu straight MTV-Film.

    Baskische Kurzfilme von KIMUAK (1. Block auf Exground)
    Kimuak ist eine staatlich finanzierte Filmorganisation, die sich die Förderung des Kurzfilms im Baskenland auf die Fahnen geschrieben hat. Ein paar der Filme kannte ich schon, andere nicht. Zusammenfassend alle Filme schön wegen stringender Knappheit trotz fülliger Narration. Das kann man von deutschen Kurzfilmen oft nicht behaupten, aber egal.

    Totally Uncensored: How Danish Sex Cinema Conquered the World (gesehen hier auf Exground Filmfest)
    Der Filmpublizist und Cineast Jack Stevenson hat einen Vortrag gehalten über den dänischen und schwedischen Sexfilm der 1960/70. Das war interessant und hat meine diffusen Gedanken zu den "schrägen Filmen" die ich da auf Kinoarbeit immer mal vorführe etwas geglättet. Nein, eher die Wogen höher Schlagen lassen. Mit in dem Programm war eine Doku über Sexclubs in Kopenhagen. Ging ganz hoch her. Tanz, lesbischer und hetero Sex, dann wurden auch noch 2 Männer aus dem Publikum... Viel interessanter aber die Zuschauer dieser Sexshows: Man ist sich selbst in Dänemark noch nicht sicher über diese Episode der sexuellen Revolution des Landes. Aber scheinbar war es in Dänemark mal okay, seine Gattin samt Stiefeltern zu sowas mitzunehmen. Nun gut.

    Death of a President (von Gabriel Range)
    Britische Fake-Doku über das Attentat von US-Präsident George W. Bush am 19.10.2007. Der Film hat neulich einen Emmy gewonnen und zeichnet sich durch die geschickte Montage von Originalbildmaterial und fiktiven Interviews aus. Leider vollkommen glatt und ironielos. Sentiment und Crime. Als TV-Film mag das noch passen. Ich schau mir ja auch gern mal diese "Was wäre wenn jetzt heute die Vogelgrippe in Deutschland ausbrechen würde" Fakedokus auf Pro7 an. So in der Art - nur mit dieser sehr amerikanischen Korrekness.


    So nun aber gut. Muss morgen um 10:00 wieder Filme sehen. Bin hier auf dem Exground Filmfest in Wiesbaden (Bild da oben aus deren Trailer). Das Hotel ist sehr gut. Hat kostenloeses DSL (kein WLAN, dafür wird einem am Empfang aber von einer freundlichen Dame mit dänischem Akzent ein Kabel überreicht). Ich habe auch einen kostenlosen Wasserkocher im Bad gefunden und konnte mir gerade noch einen Erkältungstee aufgießen, nachdem ich eben in Wiesbaden zu später Stunde weder Pommesbude noch (gteöffneten) Geldautomat gefunden habe. Ich habe das Überleben in fremden Kleinstädten aber noch nicht verlernt.


     




    :::: gesehen neulich auf DVD

    Deutschland 2006 - Regie: Markus Herling



    Vorhin auf dem Rad sind einem ja schon wieder die kräftigen Vorböen des rauen, kalten Berliner Winters ins Gesicht geschlagen. Da möchte ich mich noch mal kurz erinnern, an den Film, bei dem ich neulich Nacht beinahe eingeschlafen bin. Ist gerade letzte Woche erst im Kino gestartet, den Trailer fand ich viel versprechend und so hat sich aus verschlungenen Kanälen eine DVD des Films in meine Tasche geschlichen.

    Netter, kleiner Berliner Episodenfilm über Heiligabend in Berlin. Zufällig kreuzen sich die Wege ganz unterschiedlicher Protagonisten. Alle sind sie nicht ganz glücklich, alle eher auf der trostlosen Seite des Lebens. Eine allein erziehende Mutter, die nicht genug Geld hat, um ihren Kindern Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ein Vater aus Westdeutschland kämpft mit seinem Schamgefühl. Ein einsamer U-Bahnfahrer lernt eine Frau kennen (von allen Episoden ist diese Dank der Schauspieler die gelungenste!). Ein Schauspieler nach einem enttäuschenden Casting. Ein Paar in Trennung und ein Drogerien ausraubender Weihnachtsmann.

    So weit, so Hartz IV wie möglich. Die Reichen und Schönen scheinen zu Heiligabend Berlin verlassen zu haben und übrig bleibt der prekäre Bodenstand. In gefälligen Plattitüden stolpern die Episoden umeinander, Bindeglied sind zwei 50,- Euro-Scheine, die da immer mal wieder den Besitzer wechseln, bis am Ende des Films alle auf ihre Art doch noch ein Stückchen Weihnachtsglück gefunden haben.

    Das kommt einem alles seit "Das Leben ist eine Baustelle" und "Nachtgestalten" sehr bekannt vor. Berliner Episoden sind auch oft genug erzählt und erreichen doch nie die Güte eines Robert Altmans. Und auch der filmische Taschenspielertrick, einem Geldschein auf Reisen zu folgen als formale Bindung zwischen den Figuren hab ich vor Jahren schon mal in einem Berlin-Episoden-Film gesehen. Alles also nur geklaut? Vielleicht nicht geklaut, aber eben auch nicht sonderlich originell.

    Irgendwer muss Berliner Filmemachern erzählt haben, "Sozialdrama bringt's immer und finde trostlose Figuren. Wenn deine Story nicht über 90 Minuten trägt, dann mach einen Episodenfilm und am Besten in Berlin, das schauen sich die Leute gern an und die Drehgenehmigungen sind billiger!". Schicksale in einer nasskalten Großstatdt machen aber noch keinen guten Film. Das Spielfilmdebüt des Regisseur Markus Herling, der auch das Buch geschrieben hat, greift hier zum plakativsten Gegensatz, der einem so einfallen kann. Das Fest der Liebe und des Glücks gegen den Überlebenskampf seiner Figuren und ihrer Gefühlskälte.

    Aus dem Presseheft kann man ersehen, dass Herling 30 Folgen "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten" zu seinem filmischen Schaffen zählt. Da ist der Gedanke nicht weit, "Schöner Leben" als filmischen Gegenentwurf der TV-Soap-Lebenswelten zu verstehen. Verglichen mit der TV-Pappwelt ist "Schöner Leben" ein ambitionierter Film mit emotionaler Tiefe. Verglichen mit Kinofilmen mit emotionaler Tiefe ist "Schöner Leben" ein TV-Film für's Nachtprogramm. Obwohl, gestern Abend kam da was ganz Schlimmes im Programm von 3sat. Konnte man gar nicht mit ansehen. Aber wer will schon Äpfel und Birnen vergleichen.


     




    :::: gesehen am 14.11.07 auf Kinoarbeit

    Schweiz 1975 - P: ECD, R/B/K: Jess Franco, Mu: Walter Baumgartner, D: Lina Romay, Monica Swinn, Paul Müller, Jess Franco, 78 Min.



    Durfte ich gestern im Überblendbetrieb vorführen, etwas flatterige Filmkopie, aber bis auf einen Filmriss kurz vorm Aktwechsel zu Akt 2 keine größere Panne. Meine Filmvorführ-Praktikantin aus Marzahn war zunächst auch dabei, sie fand den Film aber nicht so super und hat sich dann später um das Ende der Vorführung von "Spur der Steine" gekümmert.

    Auf der Flucht vor italienischen Gläubigern strandet der damals bereits legendäre Regisseur Jess Franco 1975 in Zürich und heuert bei Erwin C. Dietrich an. „Frauengefängnis“ wird sein erster Film für Dietrich und gleich ein weltweiter Erfolg. Irgendwo in Mittelamerika quält und vergewaltigt die grausame Direktorin eines Frauengefängnisses die ihr hilflos ausgelieferten Insassen solange, bis diese schließlich einen Ausbruchsversuch unternehmen. Bei der Inszenierung der dürren Handlung läßt Franco seiner Phantasie freien Lauf und malt Folter und Schrecken breit aus. Er liefert eine nihilistische, raue Variante des amerikanischen Women-in-Prison-Genres, das danach auch in Europa viele Anhänger findet. Dazu Erwin C. Dietrich: „Jess Franco war das Beste, was mir als Produzent damals passieren konnte.“ (Programmtext des Veranstalters)

    Was mir bei diesen leicht ins softpornographisch-gehenden Exploitation Filmen dann doch immer wieder in den Sinn kommt, ist die Frage nach den Originalspielstätten solcher Filme. Also nicht Drehorte, sonder Kinotheater. Ich stelle mir da so alte Bahnhofskinos vor. Am Münchener Hauptbahnhof gabs das noch, als ich vor 14 Jahren das letzte mal in München war. Oder das Kino in der Altstadt gleich in der Straße meines "Geburtshauses", wo, als ich Laufen lernte, geschlossen war und immer der kalte Modergeruch rausströmte aber immer noch merkwürdigste Filmplakate im Schaufenster hingen. Da war dann im Zuge der Altstadtsanierung lange ein Trödelladen drin. Ich glaube, jetzt haben sie da den Luxus einkehren lassen. Ballsaal, Tango und so. J. hatte mir in Karlsruhe ja auch die Überbleibsel der Karlsruher Independentfilm-Szene gezeigt. Wahrscheinlich braucht's da auch einen bestimmten Männer-Typ für, um solcherart Kinos noch zu betreiben. Und ziemlich verklemmte Sexualphantsamen innerhalb der Gesellschaft, um überhaupt solche Bilder zu bauen, mannmann. Ich will mir die damalige Zielgruppe gar nicht vorstellen. Trotzdem, wenn man es tut, kann man eventuell mit gewisser Transferleistung auch ein weiteres mal einen Baustein dessen finden, wogegen sich unsere Elterngeneration versucht hat aufzulehnen.

    Egal. Eben bei Bildersuche auf der Seite bmovies.de gewesen. Ist nett da. Gibt viel Sammlung an anderen schundigen Schrägfilmen da. Auch Science Fiction!


     








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