:::: gesehen am 13.2.2008 im CinemaxX 7

USA, Mexiko 2008; Regie: Alex Rivera; mit: Luis Fernando Peña, Leonor Varela, Jacob Vargas, Tenoch Huerta, Metztli Adamina; 90 min



Ein globalisierungskritischer Science-Fiction, in dem auch eine hübsche Bloggerin drin vorkommt? Das musste ich mir natürlich ansehen. Der Film ist erst vor wenigen Wochen auf dem Sundance-Festvial gelaufen und ist für einen Erstlings-Film sehr professionell geraten. Wenn Low-Budget und Science-Fiction eine Ehe eingehen, wird es entweder grottenschlecht oder aber durch die gestalterische Improvisation im Set Design gerade besonders interessant. Dieser Film ist Low Budget, man sieht es ihm aber nicht zwangsläufig an. Schon in den ersten Filmminuten, die im ländlicher Nirgendwo Mexikos spielen, wird eine hochmilitarisierte Filmwelt etabliert. Ein alter Bauer uns sein Sohn kaufen Wasser an einem hochsicherheitsbewachten Stausee. Wasser ist knapp in der Zukunft und eine amerikanische Firma kontrolliert den Staudamm, der den kleinen Bauern das bisschen nötige Wasser für ihre Felder abklemmt. Der Junge ist Memo, ein Computerfreak, der davon träumt, einmal in den Städten im Norden sein Leben zu machen. Um den fernen Stimmen aus den Städten hinter der schwerbewachten Staatsgrenze zu lauschen, hat er mit einer selbstgebastelten Antenne einen Nachrichtensatelliten angezapft. Doch dieser harmlose Hacker-Angriff bleibt nicht unbeobachtet. Schon am nächsten Tag wird die Hütte des Vaters von einem US-Bomber platt gemacht. Übertragen wir der Krieg gegen die "Aqua-Terroristen" live im Fernsehen. Den Vater verloren und voller Schuld gegenüber der Familie flieht Memo vom Land in die Stadt. Auf der Busfahrt in die Grenzstadt Tijuana lernt Memo die junge Autorin Luz kennen. Sie hat was er ersehnt in ihre Arme implementiert: Nodes - Schnittstellen um den Körper direkt mit der Anderen Seite, dem Computernetz des Weltmarkts zu verbinden. Nachdem Luz Memo geholfen hat, seinen Körper gleichfalls ans Netz anzuschließen, findet er endlich die ersehnte Arbeit in einer Hi-Tech-Telearbeit-Fabrik. Dort steuert er mit seinem Körper als Billiglohn-Gastarbeiter Roboter, die in weit entfernten Orten Hochhäuser bauen, Kinder hüten, Taxi fahren oder Orangen pflücken. Doch die Computerschnittstellen im Körper scheinen auch ihre Risiken zu haben, diese bizarre und gefährliche Wirklichkeit der Node-Arbeiter, auf die er hier trifft, entspricht in keiner Weise seinen Träumen.

Das wirklich Reale spürt Memo nur, wenn er mit Luz zusammen ist. Die junge Autorin betreibt, was Memo zunächst nicht weiss, ein Befindlichkeitsweblog auf der Plattform "TrueNode". Auf dieser Community tauschen User gegen Bezahlung ihre wahren Erinnerungen aus. Als Luz ihre Erlebnisse mit Memo verbalisiert, findet sich tatsächlich ein zahlender Abnehmer. Ein Seegen für Luz, die ihr College-Darlehen nicht abbezahlen kann. Der Abnehmer der Erinnerungen verlangt weitere Details über den Immigranten, so freundt sich Luz mit Memo an und beide werden so etwas wie ein Liebespaar. Bis sich rausstellt, dass der Käufer der Berichte der Bomberpilot ist, der den Angriff auf die Hütte des Vaters geflogen ist. Ebenfalls als ein Node-Arbeiter - gestöpselt an die Maschine - hat er ferngesteuert für die Armee gedient. Allerdings hat er unerwartet ein schlechtes Gewissen und möchte die Hintergründe seines ersten Flugangriffs erfahren. Die Weblogeinträge von Luz bestärken ihn, nach Mexiko zu fahren und Memo um Entschuldigung und Wiedergutmachung zu bitten. Zögerlich schlägt Memo ein und zusammen bombardieren sie - in Gedenken an den toten Vater - den bösen Staudamm.

Wenn man das so erzählt, klingt das alles ein bisschen einfach und das Ende ist tatsächlich eher hilflos pathetisch im Angesicht der technoiden Übermacht der USA. Doch trotzdem schafft es der Film eine Diversität aufzubauen, in der nicht Gut immer gut und Böse nur böse ist. Es sind in der nahen Zukunft liegende Realitäten, die die fortschreitende Globalisierung und gleichzeitige Militarisierung von heute mit sich bringen. Der Film schildert seine Zukunftsvision nah genug an der Gegenwart um seine Messages tragfähig zu machen: Die Mächtigen werden weiterhin ihren technologischen Vorsprung nutzen, um andere zu unterdrücken. In den Tele-Arbeit-Szenarien dieses Films geht ein kapitalistischer Traum in Erfüllung: die lästige Arbeit wird erledigt von Arbeitern, die nicht vor Ort sind, also nicht stören können.
 




:::: gesehen am 12.2.2008 im Cinestar 8

Japan 2007; Regie: Kumasaka Izuru; mit: Lily, Kaziwara Hikari, Chiharu, Jinno Sachi; 111 min.



Manche jungen, japanischen Filme sind quietisch-flippig (und manchmal recht albern). Andere wiederum sind ruhig und können mit wenigen Mitteln und genau beobachteten Charakteren rühren. So auch dieser nette kleine Debütfilm von Kumasaka Izuru (der nebenbei beim anschließenden Filmgespräch einen ausgesprochen höflichen Eindruck hinterließ).

Die Geschichte dreht sich um eine alternde, etwas grimmige Besitzerin eines Stundenhotels in Tokyo. Das Hotel läuft nicht so gut, aber es hat trotzdem einen ganz besonderen Reiz. Oben auf dem Dach des Hauses befindet sich eine kleine Oase. Kinder kommen nach der Schule, um hier zu spielen. Alte Herren treffen sich zum Schach, Frauen machen Musik. Mitten ein der Großstadt bietet das Dach des Stundenhotels einer Freifläche der Erholung. Die Idylle ist Magnet für gestrandete oder flüchtige Seelen und die Hotelbesitzerin fungiert als Katalysator. Die 13-jährige Mika, die von zu Hause abgehauen ist und nach ein paar Gesprächen mit der Hotelbesitzerin, wieder zu ihrem Vater zurückkehrt. Die vernachlässigte Hausfrau Tsuki, die seit Jahren am Hotel vorbei ihre Fitnessrunden dreht, wagt mit der Bitte um einen Job im Hotel den wichtigen Schritt aus der Einsamkeit. Doch nicht alles löst sich in Wohlgefallen auf. Denn Tsuyako selbst verbirgt ebenso ein trauriges Geheimnis wie die irritierende Marika entdeckt, die als letzter verbliebener Stammgast das Hotel für seine eigentlichen Zwecke nutzt. Wie sich das unterdrücktes Problem der Hauptfigur mit Großmutter-Komplex - ihr Mann, der die Oase auf dem Dach für ihr gemeinsames Kind gebaut hatte, ist gestorben - genau auflöst, hab ich leider nicht mitbekommen, weil ich kurz eingenickt bin. Aber die Schlusseinstellung des Films, zeigt sie auf ihrem Hoteldach versöhnt mit sich selbst und ihrer Rolle in der Welt. So kann man es jedenfalls vermuten.
 




:::: gesehen am 12.2.2008 in der Urania

Deutschland 2007; Regie: Doris Dörrie; mit: Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Aya Irizuki, Nadja Uhl, Maximilian Brückner, Birgit Minichmayr; 122 min



Der neue Film von Doris Dörrie im Wettbewerb. Sentimental? Ja. Aber verdammt, kann die Frau gute Filme machen! Ein deutscher Lost in Translation, möchte ich fast behaupten. Nicht ganz so hipp, aber dafür um so herzlicher.
Die Geschichte einer aufopfernden Liebe und eine poetische Reise in das Innere des Seins: Nur Trudi weiß, dass ihr Mann Rudi Krebs im Endstadium hat. Als der Arzt eine letzte gemeinsame Unternehmung vorschlägt, überredet Trudi ihren Mann, mit ihr die Kinder und Enkel in Berlin zu besuchen. Doch die sind viel zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, um sich um die beiden zu kümmern. Nachdem sie noch die Aufführung eines Butoh-Tänzers besucht haben, reisen Trudi und Rudi in ein Hotel an die Ostsee. Dort stirbt plötzlich Trudi – Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen. Er weiß nicht, wie das Leben weitergehen soll. Bis er sich auf den Weg nach Japan macht, um dort den jüngsten Sohn, Karl, zu besuchen. (Berlinale Programm)
Frau Elsner mal nicht als alternde Diva, sondern sehr überzeugend in der Rolle einer treu sorgenden Hausfrau aus der bayerischen Provinz. Dass die Figur eine kleine, versteckte Sehnsucht hat, reicht Frau Elsner, um der Rolle eine ungemein sympathische Profiltiefe zu geben. Und Elmar Wepper mal nicht hau-drauf-komisch, sondern pointiert tragigkomisch. Herrlich die sinnliche Wandlung von einem sturen Sachbearbeiter zum Lost-in-Translation-Reisenden. Die Trauer und die Fremde lassen ihn seine Liebe zu Trudi neu erleben. Manchmal muss man weit reisen, um das Naheliegende zu sehen.
 




:::: gesehen am 11.2.2008 im Delphi

Frankreich 2007; Regie: Audrey Estrougo; mit: Emilie de Preissac, Eye Haidara, Terry Nimajimbe, Paco Boublard, Salomé Stévenin; 97 min.



Ein offenbar autobiografisch gefärbter Film aus der Pariser Vorstadt Colombes. Die 25-jährige Regisseurin Audrey Estrougo zog im Alter von 13 Jahren in die Pariser Außenbezirke. Ihr Spielfilmdebüt hat die Abhängigkeiten und die unausweichliche Sozialkontrolle der Vorstadt zum Thema. Es beginnt wie ein harmloser Coming-of-Age Film. Da gibt es das soziale Ghetto, Jungs- und Mädchencliquen und desolate Familien. Die jungen Darsteller stehen in voller Blüte - allerorten sprüht es Testosteron und Östrogen. Im Zentrum der Handlung steht der junge Fußballer Jo. Es ist sein letzter Tag, er wurde für die Jugendmannschaft von Arsenal London entdeckt. Jos Freund Yannick hat damit zu tun, seine Flamme Melissa zurückzuerobern, und Mouss bringt sich in Form, um Daphne zu beeindrucken. Auch Fatimata und Julie, die eine schwarz, die andere weiß, sind verliebt, und beide haben es auf Jo abgesehen. Es bleiben ihnen 24 Stunden, eine Entscheidung herbeizuführen.

Soweit gibt das reine Handlungsgeschehen nicht mehr her, als man vielleicht aus Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder typischen Teenager-Filmen gewohnt ist. Doch der Film wendet einen interessanten Kunstgriff an. Zur Hälfte des Films wird die Perspektive gewechselt und die 24 Stunden werden erneut erzählt. Was aus der ersten Perspektive - aus der Sicht der Jungen - teilweise fragmentarisch oder unverständlich war, wird nun komplementiert mit der weiblichen Perspektive. Diese Entschlüsselung der Perspektiven ergibt ein Ganzes der Narration, ein Drinnen und ein Draußen, ein vor der Tür und ein hinter der Tür, ein unten auf der Straße und ein oben in der Wohnung.

An sich sehr sehenswerter Film. Gestört hat mich die qualitative Spanne im Schauspiel. Die HauptdarstellerInnen besonders fein in Gestik und intensiv im Ausdruck werden durch teilweises Overacting der Nebendarsteller verwässert. Da trifft die Geste der Komödie aufs Drama, nicht gerade dem Drama förderlich.
 




:::: gesehen am 11.2.2008 im Delphi

USA 2007, Regie: James Benning, 112 min.



Zur Berlinale-Halbzeit dann auch mal der Babyhöhle entfleucht und zur cineastischen Einstimmung was rausgesucht mit langen Einstellungen, wenig Handlung aber dafür mit um so höherer Aufmerksamkeitsfalle. RRbesteht aus 37 festen Einstellungen, gedreht an 37 Orten in den USA, die von durchfahrenden Güterzügen durchkreuzt werden. Mehr nicht. Trainspotting in seiner Reinform. Die beiden Herren neben mir wollten der Sache nicht einmal eine Chance geben und sind nach der 3. Einstellung wieder gegangen. Ich hingegen schätze ja solche Filme, wo man nicht an die narrative Hand genommen wird, sondern beobachten muss und mit Ruhe und Vertrauen in sich hineinhorchen sollte, was der Film mit einem macht. Und seit Jahren versuche ich dieses Schärfen der cinematographischen Sinne als mein Berlinale-Einstiegsritual zu pflegen, etwa wie mit dem Film Pine Flat von Sharon Lockhart.

Schöner Film. Bin nicht eingeschlafen. Sehr präzise Montage von Bewegungsrichtungen der Züge, Farben, Lautstärke, Dauer und Landschaften. Doch was macht so ein im besten Sinne langweiliger Film mit einem? Stefanie Schulte Strathaus schreibt dazu:

"This land is your land, this land is my land": In seinem neuen Film überlässt der Mathematiker und Eisenbahnliebhaber James Benning einen großen Teil der Autorenschaft seinem Gegenstand. Legte er in früheren Filmen die Dauer der Einstellungen, mit denen er amerikanische Stadt-und Landschaften filmte, genau fest, so werden sie diesmal durch Länge und Geschwindigkeit durchfahrender Züge begrenzt. Eine Einstellung ist so lang, wie ein Zug braucht, um an einem Bildrand zu erscheinen und am anderen wieder zu verschwinden. Form und Inhalt, definiert nach ein und demselben Maßstab. Die Leinwandgröße und die Weite der amerikanischen Landschaft werden deckungsgleich in Höhe, Breite und Tiefe durchmessen. Neben der faszinierenden Vorstellung, wie viel Gewicht eine einzige Lokomotive mit unzähligen Waggons von einem Punkt des Kontinents zum anderen bewegen kann, öffnet die Tonspur weitere Wahrnehmungs- und Assoziationsräume. Fragmentarisch hören wir zwischen den Eisenbahngeräuschen einen Mormonenchor, die Übertragung eines Baseballspiels von 1992, einen Werbejingle, Gregory Peck, der aus der Offenbarung des Johannes liest, die Interpretation des Songs "This land is your land", die Abschiedsrede von Eisenhower und den N.W.A.Rap "Fuck the Police".
Man muss als kleiner Junge nicht den Traum des Lokomotivführerdaseins geträumt haben, um dieser Faszination von tonnenschweren Güterzügen zu erliegen. In der formalen Reduktion liegt die Kraft des Films. James Benning hat sich an Bahnstrecken auf die Lauer gelegt und zeigt uns seinen Fang. Dabei entstand ein vielschichtiger Blick auf die historische Metapher der Eisenbahn als wichtigstes Transportmittel zur Erschließung des Westens. Heute werden Massen an Konsumgütern über den Kontinent verfrachtet. Einer Politik der Gegenstände folgend sind die Zug-Kolosse überdimensionierte Stahlschlangen, die sich ohne Hindernisse ihren Weg durch Landschaften, Ortschaften und über Flüsse bahnen. An einer Stelle des Films musste ich an den Güterzug von Zurück in die Zukunft III denken, der am Ende des Films die Zeitmaschine zerstört. Überhaupt, die Medienmetapher natürlich - Film und Eisenbahn haben mehr gemein als Film und Automobil. Die einzelnen Wagons eines Zuges sind aneinander gekoppelt, wie die Einzelbilder eines Films. Oder in einer frühen Filmvorstellung von "Die Einfahrt eines Zuges in den Bahnhof" sollen die Zuschauer ja panisch vor Angst den Saal verlassen haben. Heute verlassen sie den Saal vor Langeweile. Und irgendwie ist so ein Zug auch wie Spargel. Die Zugmaschine an der Spitze ist die Delikatesse.

Wer Zug fährt, ist sicher schon mal der folgende sinnliche Effekt aufgefallen: hat man eine Zeit lang aus dem fahrenden Zugfenster geschaut, kommt es einem beim Halt so vor, als würde der Zug sich Rückwärts bewegen. Da hat's wohl so einen Trägheitsmoment im menschlichen Auge. Diese Trägheit tritt auch ein, wenn man Zügen auf einer Kinoleinwand zuschaut. Ist der Zug vorbeigefahren, beginnt das Bild zu morphen.
 




:::: gesehen gestern Nacht auf Handyvideo

USA 2008 - Regie: Matt Reeves; Buch: Drew Goddard; mit: Michael Stahl-David, Odette Yustman, Mike Vogel, Lizzy Caplan, T. J. Miller, Jessica Lucas: Lily Ford und gruseligen Monstern



Steve Jobs hat ja vor einigen Wochen ganz fabelhaft präsentiert, wie man bald auch in Deutschland bei iTunes nicht nur Filme downloaden kann, sondern auch leihen. Videothek per Internet, und die Filme darf man sogar mitnehmen auf seinem iPhone oder iPod und unterwegs ansehen. Ich war mir da ja neulich nicht ganz sicher, ob das überhaupt begehrenswert ist, Spielfilme zu schauen auf so kleinen Displays und während man unterwegs ist und permanent von der Umwelt abgelenkt wird. Aber bevor ich urteile, dachte ich mir, probiere ich das lieber mal aus. Und dieser erstbeste Blockbuster kam mir da gerade recht.

Cloverfield war nun also mein erster Langspielfilm, den ich mir auf einem Handy angeschaut habe. Ergebnis: Macht das besser nicht nach, man erkennt die Monster nicht so gut. Erst am Ende in der Totalen. Und die Wackelkammera zieht einen bei so einem kleinen Screen auch nicht so arg in den Bann. Trotzdem: der Film blieb auch auf dem Handy äußerst spannend! Nicht auszumalen, wie das im Kino rockt.

An sich ist der Film ein typisches Godzilla-in-Manhatten Ding und zu vergleichen mit handelsüblichen Monsterfilmen. Die Komponente, dass die Filmhandlung der Monsterattacke handlungsimmanent aus der Perspektive einer einzigen Videokamera erzählt wird, gibt der Sache aber einen gehörigen Drive. Eigentlich dachte ich, das stilistische Mittel, Wackelbilder als visuellen Kodex für "Authentizität" einzusetzen, dürfte im Kino nach all den Dogmen und letztlich nun auch nach Lynch, doch langsam nicht mehr funktionieren. Nun, was auf dem Handy funktioniert, wirkt auch auf der großen Leinwand (würde meine Kollegin bekräftigen). Es ist natürlich der selbe Reiz, welche den Videoaufzeichnugen von 11. September innewohnt - das hautnahe in der Katastrophe stehen.

Interessant an der Produktion ist aber auch das virale Marketing, dass schon weit vor dem Filmstart begonnen hatte. In der Wikipedia kann man dazu lesen:

Der Begriff „Out of Game“ (OOG) Stammt aus der Fachsprache der „Alternate Reality Games“. Gemeint sind u.a. Websites, die den Game-Teilnehmern fälschlicherweise als Informationsquelle zu ihrer selbst geschaffenen Scheinwelt dienen und somit oft auch Grundlage für Hypothesen und Gerüchte sind. Tatsächlich aber besteht zwischen diesen realen Informationen und der fiktiven Realität kein Zusammenhang.

Neben Webseiten bestehen mehrere andere Quellen, die fälschlicherweise dem viralen Marketingprojekt „Cloverfield“ zugeschrieben werden. Die Signifikanz der Seiten besteht vor allem darin, dass sie oder deren Symbolik von den Fans in die Welt von „Cloverfield“ miteinbezogen war, und auch nach derer Aufdeckung die Hypothesen und Vermutungen über den Film stark prägten. Das wohl prominenteste Beispiel für ein solches Missverständnis war eine Reihe von Websites, die sich mit Ethan Haas beschäftigten. Parallel mit 01-18-08.com wurde von Fans die Seite ethanhaaswasright.com entdeckt, die aus flash-animierten Rätseln bestand und im Hintergrund eine zerstörte Stadt präsentierte. Diese Stadt erinnerte stark an die Plakate von „Cloverfield“. Nach der Lösung jedes Rätsels wurde ein kurzes Video mit eschatologischen Prophezeiungen gezeigt.

Parallel mit dieser Seite fand man einen Weblog, dessen Autoren ausschließlich in Nepalesisch schrieben und sich als Antagonisten von Ethan Haas darstellten. In der Presse wurden die Websiten des öfteren in direkte Verbindung mit „Cloverfield“ gebracht. Da es in der Kosmologie von Ethan Haas die Rede über die „Ältesten“, „Mezin“ war, sah man hier eine weitere Bestätigung für die thematische Annäherungen an die fiktive Welt von H. P. Lovecraft mit seinen „Älteren Wesen“.

Anfang August 2007 hat sich jedoch herausgestellt, dass die Seiten über Ethan Haas zur viralen Marketingkampagne des Rollenspiels „Alpha Omega“ von Mindlabs gehören. Somit war die inhaltliche Verbindung mit dem Film dementiert, jedoch über die Cthulhu-Thematik wurden weitere Diskussionen geführt.
(wikiperdia zum Film)

Das Virale Marketing des Film

Folgende vier Seiten, sogenannte Tie-in, wurden von Paramounts Pictures im Rahmen der viralen Marketingkampagne produziert:


 




:::: gesehen gestern Nacht im TV

Frankreich / Italien 1965 - Regie: Jean-Luc Godard - mit: Akim Tamiroff, Eddie Constantine, Anna Karina, Jean-Louis Comolli, Michel Delahaye



Dadurch, dass ich dieser Tage irgendwie mehr als sonst mit dem Autoradio unterwegs bin, bin ich auf die Ausstrahlung dieses Godard-Films hingewiesen worden, den ich schon immer sehen wollte. Ein Nouvelle-Vague-Science-Fiction von Godard mit Liebe. Die Erwartungen waren hoch, der Sender schrieb:
Geheimagent Lemmy Caution kommt als Reporter getarnt nach Alphaville, in die Hauptstadt der Milchstraße. Er hat den Auftrag, seinen Vorgänger Henri Dickson und Professor Von Braun zu suchen. Der Wissenschaftler hat ein gigantisches Elektronengehirn konstruiert, das inzwischen in Alphaville alle Vorgänge und Beziehungen regelt. Die Menschen sind zu willenlosen Sklaven des Computers Alpha 60 geworden, dessen technokratische Herrschaft weder eine emotionale Reaktion noch einen Widerspruch zulässt. Es existiert keine Vergangenheit und keine Zukunft mehr. Vom sterbenden Henri Dickson erfährt Lemmy Caution, dass das selbstherrliche Monstrum nur mit seinen eigenen Mitteln besiegt werden kann. Mit Natascha Von Braun, der Tochter des skrupellosen Professors, als "Begleiterin" wohnt er einer bizarren öffentlichen Hinrichtung von Delinquenten bei, die sich durch den Luxus idealistischer Gefühle gegen die Vorschriften in Alphaville aufgelehnt haben. Von Alpha 60 als Individualist und Oppositioneller entlarvt, geht Lemmy Caution zum Gegenangriff über und verwirrt die systemimmanente Logik des Computers durch philosophisch-poetische Begriffe. Im allgemeinen Durcheinander kann er den uneinsichtigen Professor töten. Zusammen mit Natascha, der er menschliche Werte vermitteln kann, flieht er aus der sterbenden Stadt. "Lemmy Caution gegen Alpha 60" ist ein romantischer Versuch, die in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts aufblühende Euphorie der Raumfahrttechnik, die Anfänge der Computertechnologie mit Kinotraditionen des Science-Fiction-Films und des Film noir zu decouvrieren. Alphaville erscheint wie das Wirklichkeit gewordene Metropolis. So nutzt der Regisseur mit dem Helden - Eddie Constantine - die Chance, sein Thema mit Filmzitaten, Collagen und Comic-Strip-Elementen anzugehen. Lemmy Caution wirkt wie ein moderner Lancelot, das unsichtbare Elektronikgehirn wie ein Mabuse der Kybernetik. (Quelle: rbb Fernsehen)
Ich könnt's nicht besser zusammenfassen. Für die 1960er eine filmisch recht hypertextuell umgesetzte Zukunftsvison. Teilweise eine Atmo wie in "Blade Runner". Wieder einmal darin bestärkt worden, endlich mal über dieses eine Thema zu schreiben, was mich immer wieder im Angesicht von Sci-Fi interssiert. Ich verrat nicht was, nicht so wie bei meinen letzten sechs Ideen, die dann andere umgesetzt haben.
 




::: gesehen am 25.1.2008 im acud-Kino

Deutschland 2007 - Regie: Fatih Akin; mit: Baki Davrak, Nurgül Yeşilçay, Hannah Schygulla, Nursel Köse, Tuncel Kurtiz, Patrycia Ziolkowska, Lars Rudolph

Freitag mit und auf Wunsch der Liebsten endlich noch Fatih Akins aktuellen Film gesehen. Gut gefallen haben die visuelle Umsetzung der dramaturgischen Verknüpfungen der Figuren und Episoden. Gemeinsame Orte und doch aneinander vorbei. Nicht so prätentiös und laut inszeniert, wie "Gegen die Wand", sondern näher an den Figuren dran. So, dass wohlige, etwas undefinierbare Melancholie nach dem Film bleibt. Zwei Seiten, die der Tod mit sich bringen kann. Das Eigene manifestiert sich erst durch den Blick auf das Andere.

Danach noch in der Nacht Sexy Beast im Fernsehen gesehen, sicher gewesen, den Film noch nicht zu kennen. Liebste meinte, hätten wir zusammen gesehen. Nach Hälfte des Films dann doch Gewissheit, den Film zu kennen. Drauf hin eingeschlafen.


 




:::: eben gesehen auf arte

Spanien 2006; Regie: Álex de la Iglesia; mit: Antonio Dechent, Javier Gutiérrez, Leonor Watling u.a.



Oh, das war ja gerade interessant. Da kam eben auf arte noch ein beinahe trashiger Horrorfilm, in dem ein Baby mitspielt. Im Mittelpunkt: Ein Familienvater, der - tyrannisiert von der Angst um sein neugeborenes Kind - eine frappante psychische Veränderung durchlebt. Ein junges Paar zieht mit ihrem Neugeborenen in eine alte Villa. In der Nacht hören sie über das Babyphon fremde Stimmen. Der Vater besorgt in Panik eine Baby-Cam-Überwachung und nun sitzt eine fremde Figur am Bett des Babys. Jedoch hinterlässt der Fremde keine Spuren, nichts deutet darauf hin, dass das Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Während der Vater beginnt an einen Einbrecher zu glauben, beginnt die Mutter am mentalen Zustand ihres Mannes zu zweifeln und verlässt mit dem Baby Haus und Mann. Alleine in der Gruselvilla kommt der Vater mit Hilfe der Baby-Videoanalge auf eine paraphysische Spur. Er kann mit Hilfe der Videoüberwachung einen Parallelwelt sehen und Zugang zu ihr bekommen. Doch wer einen Eingang findet, öffnet für andere einen Ausgang.

Netter kleiner Gruselfilm, in dem die jungen Eltern übermüdet, mit Augenringen und vollkommen paralysiert durch den Tag wandeln. Offenbar vollkommen verzehrt von den Aufgaben als junge Eltern, sehen die beiden Gespenster, beginnt die Beziehung zu kippen, der Vater wird schizophren.

Na das kann ja was werden, wenn das Baby erstmal da ist (o:
 




:::: gesehen gestern Nacht auf Video

USA 2007;Regie: Francis Lawrence; Mit: Will Smith, Alice Braga, Dash Mihok, Charlie Tahan, Salli Richardson



Nach einem herrlich-regnerischem Gammel-Wochenende in der Nacht noch vor diesem Film gesessen und gegruselt vor jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft: Ein Heilmittel gegen Krebs entpuppt sich als Büchse der Pandora und Will Smith hat als einziger in Manhatten überlebt und muss die Geister, die er rief wieder verjagen.

Auch wenn sich das als Action-Film oder Grusel-Schocker angekündigt hat, es steckt zum Glück sehr viel mehr drin. Doch - ja - ich wurde stark emotionalisiert durch Actionsequenzen, und - ja - ich hab nicht sofort ruhig einschlafen können. Trotzdem ist I AM LEGEND mehr als Spektakel-Kino, wie der Kollege bei critic.de richtig erkennt:
Es ist bestimmt unpassend für einen Blockbuster, aber trotzdem: In den ersten Minuten – die kraftvolle Jagd mit dem Auto natürlich ausgenommen – erinnert I am Legend an Ozu Yasujiro und dessen langsames Herantasten an eine Geschichte. Die Kamera bewegt sich kaum, eine Abfolge statischer Ansichten etabliert den Ort des Geschehens, und schließlich sieht man Neville bei der Verrichtung seines Alltags: nach Nahrung suchen, essen, DVDs ansehen, den Hund baden. Auch hier gibt es nur wenige Schnitte, und in simpler Aneinanderreihung wird eine meditative Qualität erreicht. Das muss man sich als Action-Spektakel-Regisseur erst einmal trauen. In diesen Sequenzen sieht man eine Studie über Einsamkeit. (critic.de zum Film)
Das mag zwar für die Analyse irgendeines Blockbuster unpassend sein, genau für diesen Film ist es aber die richtige Beobachtung auf der Spur des Besonderen von I AM LEGEND. Überall lauern leise Zwischentöne: In der Kameraführung, die melancholisch gebrochene Symbol-Bilder der Gegenwart inszeniert; im sehr guten Schauspiel von Will Smith, der den gebrochenen, amerikanischen Helden sehr viel subtiler gibt, als die gebrochenen Figuren Charlton Heston's Anfang der 1970er. Dort wo Heston im Angesicht des Scheiterns zynisch wurde, wo Rambo seine gebrochene Psyche in der Materialschlacht zu reinigen sucht, ist der Protagonist in I AM LEGEND scheinbar nur darum bemüht, das normale Leben aufrecht zu erhalten, nachdem ein Killervirus alles platt gemacht hat und Mutanten ihn als den einzigen überlebenden Menschen auf dem Speiseplan haben. Fast gelingt es ihm auch, das alte Leben zu leben. Erst nach und nach schimmert aus der Figur ein Wahnsinn hervor, der natürlich in der gegebenen, irren Situation nicht verwunderlich ist, den man aber von amerikanischen Helden nicht gerade gewohnt ist. Das ist eine sehr gelungene Gradwanderung zwischen glanzvollem Helden und gebrochenen Helden in einer Figur.

In "Die Zeit" kommt Jerome Charyn leider nur im Ansatz zu einer tiefergehenden Analyse des Films. Er sieht darin immer noch ein Nachbeben der Katastrophe des 11.Septembers:
Ein verlassenes Manhattan mit wilden Rehen scheint uns fast schon eine vertraute Landschaft. Wir Amerikaner können die Aura jener leeren Grube in Lower Manhattan offenbar nicht abschütteln. Ground Zero verfolgt nach wie vor die Sprache und Grammatik unserer Träume. Und Francis Lawrences Film ist vielleicht das bisher klügste und aufschlussreichste Beispiel dafür.

Die Kraft des amerikanischen Kinos hat schon immer darin bestanden, dass es sein Publikum mit ausgefeilten Manipulationen und Tricks verblüfft, uns zu Kindern vor der großen Leinwand gemacht und uns durch die Minenfelder von Komödie und Albtraum geführt hat. Doch dieses Minenfeld ist niemals fester Boden; es verändert sich mit unserer psychischen Temperatur. Das Nachbeben des 11. September hat eine neue Blüte des Film Noir getrieben, und an die Stelle der Femme fatale ist der Teufel getreten. Die Mutanten in I Am Legend sind nur Teilzeitteufel, doch sie hüpfen durch die Landschaft wie bleiche, hektische Tiere, als wären sie massenhaft jenem besonderen Ground Zero der amerikanischen Psyche entsprungen. (zeit.de zum Film)

Nun, mich hat das ja alles auch an 28 Weeks Later erinnert. Das hat zwar den 11. September als Auslöser, behandelt aber eher alles so Sicherheits-Phantasmen und Alienation-Ängste. Die modernen Vampire, nicht mehr Außerirdische, sondern Viren und mutierte Amerikaner, die das Ur-Amerikanische zerstören und im Kern geht es immer um das Blut Christi. Und da wär's mal spannend in diese Richtung weitergehend was zu lesen.
 








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